Unternehmensreportage 2026
In seiner vergleichsweise kurzen Unternehmensgeschichte hat sich Pressta-Eisele aus Bullay schon etliche Male neu erfunden – zumindest ein bisschen. Denn der Experte für Säge- und Bearbeitungstechnik hat schon immer verstanden, was der Markt und die Kunden, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen.
Näher dran geht nicht
Gäbe es einen Wettbewerb für die heimatverbundenste Region Deutschlands, hätte der Kurvenkreis sicher beste Chancen aufs Siegertreppchen. Schließlich sind die Cochem-Zeller dafür bekannt, dass sie ihre Natur, ihre Dorfgemeinschaften und die kurzen Wege lieben. Zwischen dem Elternhaus, der Ausbildung, dem ersten Job und dem eigenen Leben als Erwachsener liegen oft nur wenige Kilometer – wenn überhaupt.
Auch Marvin Hennen, Azubi zum Industriemechaniker im vierten Lehrjahr bei der Pressta-Eisele GmbH in Bullay, ist nur ein paar Dörfer weiter aufgewachsen und hat nicht vor, irgendwo anders hinzugehen. Da trifft es sich gut, dass seine Chancen auf eine Übernahme bei Pressta-Eisele ziemlich gut stehen. „Wer sich bei uns bewährt, darf und soll selbstverständlich bleiben“, sagt André Barden im Interview. Als Produktions- und Logistikleiter verantwortet er auch das Ausbildungsprogramm bei Pressta-Eisele.
André selbst dürfte wohl der inoffizielle König des kurzen Arbeitswegs in der Region sein: „Früher bin ich sechzig Kilometer einfache Strecke gefahren, um zur Arbeit zu kommen. Heute laufe ich sechzig Meter. Ich wohne direkt da oben“, lacht er, während er aus dem Fenster zeigt.

Dass sein Küchentisch praktisch neben seinem Arbeitsplatz steht, ist zwar Zufall. Aber für André ist diese Nähe auch eine gute Metapher für den Ausbildungsansatz von Pressta-Eisele: „Unsere Azubis lernen unsere Produktion von Anfang an hautnah kennen und packen direkt mit an. Bei uns steht niemand in einer Lehrwerkstatt und feilt sinnlos an irgendwas herum.“
Die Pressta-Eisele GmbH fertigt hochpräzise Säge- und Bearbeitungstechnik für Aluminium. Hier kommt es nicht nur auf Zehntel-, sondern auf Hundertstel-Millimeter an. Diese Präzision sollen die Auszubildenden zum Industrie- oder Zerspanungsmechaniker ab Tag eins verinnerlichen. Übungsstücke helfen da nicht.


Dieses Grundvertrauen in die Fähigkeiten der Azubis weiß Marvin zu schätzen. Genauso wie das tolle Team aus rund 70 Mitarbeitenden am Standort Bullay. Wenn er seine Stelle mit denen anderer Azubis aus der Berufsschule vergleicht, ist er froh, bei Pressta-Eisele zu sein: „Ich durfte bereits ein Projekt in Tschechien mitrealisieren, darf mit raus zu Kunden und erhalte auch sonst jede Menge Verantwortung. Andere kommen jahrelang nicht aus der Lehrwerkstatt heraus.“
Digitale Evolution
Pressta-Eisele wurde 1986 in Bullay gegründet und startete damals als Werkzeugpartner für die Alu-Fensterproduktion. Kleiner, historischer Fun Fact am Rande: Der Firmenname leitet sich von den Worten „Pressen“ und „Stanzen“ ab. In seiner Nische wurde es dem Betrieb schnell zu eng. Der Fokus Alu ist geblieben, aus den Fenstern sind zum Beispiel auch Auto- oder Flugzeugteile geworden: „Immer dann, wenn Alu geschnitten werden soll, sind wir der richtige Partner“, sagt Jan Hunke, Geschäftsführer bei Pressta-Eisele.
Er ist mit dafür verantwortlich, dass sein Unternehmen inzwischen zur Anlaufstelle für vollautomatische, vollintegrierte und vor allem vollständige Lösungen geworden ist: „Niemand braucht mehr einzelne Produkte. Unsere Kundenprojekte werden immer komplexer, unsere Anlagen immer intelligenter. Das Thema Steuerungstechnik war für uns früher eher eine Randerscheinung, inzwischen steht es für uns und unsere Kunden praktisch im Mittelpunkt.“
Diese Evolution hat auch das Ausbildungsprogramm verändert, das Pressta-Eisele bereits vor einigen Jahren neu aufgestellt hat. Mit der Verzahnung aus klassischem Handwerk und digitaler Expertise ist der Maschinenbauer zwar längst nicht mehr allein, aber immer noch eine erstklassige Adresse in der Ausbildungslandschaft im Kurvenkreis.
Gerade die digitale Seite des Berufs verändert sich aktuell rasend schnell: „Die Verzahnung von Handwerk und Automatisierung ist komplett. Jetzt geht es zunehmend um Themen wie künstliche Intelligenz und Robotik“, sagt Jan. Trotzdem bleibe Pressta-Eisele auch weiterhin dafür bekannt, „aus einem Klumpen Eisen eine präzise Maschine zu machen.“
Für Azubi Marvin bleibt der Job als Industriemechaniker trotzdem ein traditioneller Fall für Macher: „Für diesen Beruf sollte man auf jeden Fall handwerklich begabt sein. Außerdem wird man schmutzig. Das muss man abkönnen.“ Produktionsleiter André ergänzt: „Wir brauchen Leute mit einem Gefühl für Qualität, mit dem Blick fürs Detail. Wenn es auf Hundertstel-Millimeter ankommt, ist ‚passt schon‘ keine gute Einstellung.“
Bodenständigkeit und Ambitionen im perfekten Gleichgewicht
Bei unserem letzten Besuch in Bullay vor knapp vier Jahren bezeichnete Geschäftsführer Jan Hunke die Pressta-Eisele GmbH als einen „Familienbetrieb im Herzen, einen Mittelständler in der Größe und ein Weltunternehmen auf dem Markt.“ Diese Mischung aus Bodenständigkeit und Ambitionen bestimmt alles, was Pressta-Eisele tut. Man verändert sich hier nur, wenn es gute Gründe gibt.


Das beginnt bei den Geschäftsprozessen und endet bei der Belegschaft: „Fluktuation gibt es bei uns eigentlich nicht. Aktuell gehen jedoch viele Kolleginnen und Kollegen in Rente und sorgen damit zwangsläufig für einen Umbruch“, stellt Jan fest. Dieser kann manchmal besonders tiefgreifend sein, wie Jan mit einem Augenzwinkern beschreibt: „Als unser Mitarbeiter im Versand vor ein paar Jahren in den Ruhestand gegangen ist, haben wir das erste Mal einen Computer in die Abteilung gestellt. Bis dahin hatte der Kollege alles mit seiner Schreibmaschine erledigt.“ Gab es Kundenbeschwerden oder Versandprobleme? „Nie.“
Produktionsleiter André Barden sieht im Generationenwechsel jedoch mehr als technologische Upgrades: „Wir entwickeln gerade viele Ideen, probieren Neues und schauen, was möglich ist. Dabei kann jeder seine Expertise einbringen und alles mitgestalten. Diese Energie motiviert mich sehr.“
Perfekt angebunden – mit einem kleinen Haken
Während er sich für seinen Arbeitsweg nur kurz die Schuhe anziehen muss, freuen sich andere Mitarbeitende bei Pressta-Eisele darüber, dass sich Bullay seit einigen Jahren in Sachen Öffentlicher Nahverkehr mächtig entwickelt hat. Die Busse fahren regelmäßig, Bullay ist in diesem Bereich eine wichtige Drehscheibe. Der Bullayer Bahnhof bindet den Moselort traditionell sehr gut an das nahe und ferne Umland an.
Das Auto wird damit immer unwichtiger. Gut so, denn Bullay hat ein ganz besonderes Nadelöhr: Die Mosel wird hier von Deutschlands erster Doppelstockbrücke überspannt. Urlaubsgäste, Reiseführer und auch den einen oder anderen Influencer mag das historische, denkmalgeschützte Bauwerk begeistern. Für Pressta-Eisele und andere Bullayer Firmen ist sie, offen gesagt, eine logistische Vollkatastrophe: „Es haben sich tatsächlich schon Lieferanten geweigert, über die Brücke zu fahren“, erzählt Jan Hunke. Schon mit dem PKW ist die Querung auf der engen Fahrbahn bei entsprechendem Verkehr ein Abenteuer für sich. Aber auch mit solchen Herausforderungen kommt man bei der Pressta-Eisele GmbH zurecht. Schließlich ist man hier darauf spezialisiert, für alles eine präzise Lösung zu finden!
Ihr wollt noch mehr Einblicke in den Bullayer Betrieb? Dann werft gerne auch einen Blick in unseren neuen Blogbeitrag.
Weitere Impressionen von unserem Besuch bei Pressta-Eisele in Bullay:






