Unternehmensreportage Lohmann Druck
Jeder hat schonmal mit Lohmann Druck zu tun gehabt. Garantiert. Denn der Produzent für Lebensmitteletiketten verleiht bekannten Marken erst ihr Gesicht. Damit das auch in Zukunft erfolgreich funktioniert, nimmt das Bullayer Unternehmen seinen Status als Familienunternehmen wörtlich.
Dynamisches Team für einen stabilen Erfolg
Praktisch jedes Unternehmen fürchtet sich vor einer „Saure-Gurken-Zeit“. Außer Lohmann Druck an der Brautrockstraße in Bullay. Denn Sauerkonserven gehören hier zum Tagesgeschäft. Genau wie Bier, Spirituosen und viele andere Lebensmittel im Supermarktregal.
Lohmann Druck fertigt seit über 70 Jahren Premiumetiketten für die Lebensmittelindustrie und hat sich fest in dieser Nische etabliert. So fest, dass Inhaber und Geschäftsführer Markus Reher sich einer Sache sicher ist: „Wir verleihen Artikeln erst ihr Gesicht, machen sie unverwechselbar. Jeder hat mindestens eines unserer Produkte im Haushalt. Und das macht mich sehr stolz.“
Diesen Ruf hat sich der Betrieb, der rund 75 Mitarbeitende beschäftigt, nicht nur mit Qualitätsprodukten, sondern vor allem mit Beweglichkeit erarbeitet: „Unsere Branche ist zwar sehr stabil, aber gleichzeitig enorm dynamisch. Wir kennen keine konjunkturellen Schwankungen, doch unsere Kunden müssen häufig kurzfristig umschwenken und wollen, dass wir entsprechend zuverlässig und schnell reagieren.“


Zum Beispiel, wenn es eben um saure Gurken geht: Hat ein Erzeuger mit Gurken in Cornichon-Größe gerechnet, aber erntet deutlich größere Früchte, muss Lohmann Druck die bestellten Etiketten fix anpassen. Kein Problem für den modernen Betrieb, der auf genau solche unsicheren Bedarfe eingestellt ist.
Diese Reaktionsfähigkeit hat Lohmann Druck zu einer der ersten Adressen für die großen und kleinen Namen im deutschen Lebensmittelhandel gemacht. Die Kunden danken es mit jahrelanger Treue, Weiterempfehlungen und vollen Auftragsbüchern.
Die Nachfolge schon fest im Blick
Zugegeben: Markus Reher sieht noch längst nicht nach Rentenalter aus, er bringt aber trotzdem schon die nächste Generation an der Unternehmensspitze in Position. Tochter Felicitas Reher ist gerade einmal zwanzig Jahre alt, aber schon jetzt sicher, dass sie den Betrieb übernehmen möchte.
Dafür war sie schon als Teenager in allen Abteilungen unterwegs, an der Seite ihres Vaters bei Kunden und immer neugierig auf die technischen und unternehmerischen Zusammenhänge.
Zwar gibt es noch lange kein Datum für die Übergabe des Staffelstabs, aber Felicitas Reher klingt bereits wie eine gestandene Führungsperson: „Ich freue mich aufs Unternehmertum und die Verantwortung. Ich will eigene Ideen umsetzen, Herausforderungen meistern und schauen, was man aus diesem Unternehmen in Zukunft noch alles machen kann.“
Diese Entschlossenheit ist kein Zufall, sondern auch das Ergebnis einer klugen Erziehung: „Wir haben bei Tisch nie über Probleme in der Firma gejammert, sondern immer über die Möglichkeiten gesprochen. So hat unser Nachwuchs schon früh gelernt, dass man Dinge selbst anpacken und lösen muss“, erläutert Markus Reher.
Dementsprechend nüchtern betrachtet Felicitas Reher die Hürden, vor denen auch Lohmann Druck steht: „Die wirtschaftliche Lage wird immer schwerer und das wird auch so bleiben. Also muss man es einfach hinnehmen. Der Fachkräftemangel ist ebenfalls eine Tatsache. Aber hier können wir selbst gegensteuern.“
In einer Familie sind alle willkommen
Wer durch die Geschäftsräume der Firma Lohmann in Bullay streift, trifft Menschen aller Altersklassen, Nationalitäten und Hintergründe. Das hat System: „Wer gern lernt, offen und teamfähig ist, ist bei uns herzlich willkommen. Alles andere ist nicht so wichtig“, sagt Felicitas Reher.
Da deutsche Fachkräfte bekanntermaßen Mangelware sind, wird das Lohmann-Team immer internationaler. Das geht natürlich nicht immer ohne Reibungspunkte. In einigen Facetten und insbesondere bei kulturellen Unterschieden müsse man aktiv aufklären.
In vielen Punkten, zum Beispiel bei Schweinefleisch zur Weihnachtsfeier oder Einschränkungen während Ramadan, passe man sich einfach an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an.
Für Markus Reher ist das einer der klaren Vorteile seines Unternehmens: „Bei uns herrschen keine Konzernbedingungen, wir können auf verschiedene Bedürfnisse eingehen. Ein Familienunternehmen muss man wie eine Familie führen. Und da wird jeder akzeptiert.“
Zudem wüssten seine Mitarbeiter immer, dass sie einen sicheren Job haben: „Etiketten sind der wichtigste Kontaktpunkt von Menschen mit einem Produkt. Darauf finden sie alle Informationen, die sie benötigen, lernen ein Produkt kennen und lassen sich von ihm überzeugen. Das könnte man nicht anders lösen.“
Mehr Vernetzung statt Konkurrenz ums Personal
Lohmann Druck bildet derzeit Medientechnologen Druck, Mediengestalter und Lageristen aus. Auch Maschinen- und Anlagenführer werden im Bullayer Betrieb ausgebildet, die Fachrichtung Metall und Kunststoff lernen die Azubis in einem Überbetrieblichen Ausbildungszentrum (ÜAZ). Gern würde man hier stärker mit Partnerbetrieben in der Region zusammenarbeiten und Ausbildungskooperationen eingehen.
Dazu versucht Markus Reher, andere Unternehmen mit ins Boot zu holen, bisher allerdings nur mit mäßigem Erfolg: „Die größte Konkurrenz im Umkreis besteht ums Personal, in dieser Hinsicht sind Betriebe zum Teil unheimlich verschlossen. Dabei ändert sich am Personalmangel sowieso nichts – ob man nun zusammenarbeitet oder nicht.“
Während sich Reher eine noch bessere Vernetzung der Wirtschaft vor Ort wünscht, sieht er in anderen Belangen keinen Grund zur Klage: „Wir sind Unternehmer, da brauchen wir nicht auf die Politik oder die Region schimpfen. Etwa die Wirtschaftsförderung hat sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt und dafür muss man sehr dankbar sein.“ Er lobt sogar den öffentlichen Nahverkehr. Mehr Linien, neuer Bahnhof – „das hilft uns sehr.“


Trotz aller Zuversicht, die sowohl der Lohmann-Geschäftsführer als auch seine Tochter versprühen, sind sich die beiden der Herausforderungen bewusst. „Wir sitzen hier nicht auf der Insel der Glückseligkeit“, weiß Markus Reher.
Auch ist ein buntes und diverses Team kein Selbstläufer. Ganz im Gegenteil. Mit einem Wertekompass will Lohmann Druck den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Orientierung geben, sie zum gegenseitigen Verständnis animieren und die Zusammenarbeit aller noch reibungsloser gestalten. Die Grundlage dafür sieht Felicitas Reher jedoch woanders: „Man muss Dinge adressieren, Kommunikation ist das Wichtigste. Jeder soll sich gesehen und verstanden fühlen.“
Das gilt natürlich auch für die Unternehmensspitze. Wer Markus und Felicitas Reher zuhört, glaubt sofort daran, dass der spätere Führungswechsel mehr als glatt über die Bühne gehen wird. Vater und Tochter denken ähnlich, haben ähnliche Vorstellungen und sprechen mit demselben Verantwortungsbewusstsein über ihre Rolle im Unternehmen – und tragen doch ihre ganz eigene Handschrift.
Von einer Doppelspitze hält Markus Reher allerdings nichts. Nicht einmal als Übergangslösung: „Zwei Generationen in einem Unternehmen – das führt unweigerlich zu Konflikten. Sollte Feli von heute auf morgen entscheiden, dass sie das allein kann, werde ich das Feld räumen.“ Bis dahin hat Markus Reher allerdings noch jede Menge Gelegenheit, seinen Betrieb durch die nächste „Saure-Gurken-Zeit“ zu führen.
Noch mehr Eindrücke von unserem Besuch bei Lohmann Druck in Bullay:






Im Video: Unternehmensnachfolge bei Lohmann Druck
Markus und Felicitas Reher sprechen im Interview über die anstehende Unternehmensnachfolge bei Lohmann Druck in Bullay.
