Wie eine alte Scheune zum echten Wohntraum wurde

Vom Münsterland in den Kurvenkreis

Wir sind unterwegs im schönen Hunsrückörtchen Lütz in der Verbandsgemeinde Cochem und treffen Linda und Christoph. Die beiden haben hier im Jahr 2020 eine alte und stark sanierungsbedürftige Scheune gekauft, die zuvor rund 30 Jahre lang leerstand. Heute ist genau diese Scheune ihr neues Zuhause. Möglich gemacht hat das zum einen ihr großes Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick, zum anderen aber auch das Förderprogramm der Privaten Dorferneuerung.

Doch wie kamen die beiden überhaupt auf das kleine, unscheinbare Objekt in der Lützer Schnellbachstraße?

Linda und Christoph kommen ursprünglich aus dem Münsterland. "Auch wenn wir im Münsterland bereits in einer ländlich geprägten Region gelebt haben, war dennoch alles recht dicht besiedelt und bis auf den letzten Meter verplant. Wir haben einen neuen Platz gesucht, an dem wir zum einen naturnah leben und uns zum anderen selbst verwirklichen können - und das, ohne uns bis an unser Lebensende zu verschulden", erzählt uns Christoph. 

Auf ihrer Suche nach einem neuen Zuhause haben die beiden dann unsere Kurvenkreis-Region in den Fokus genommen. Fündig geworden sind sie 2020 in der rund 270-Einwohner-Gemeinde Lütz im Hunsrück.

Linda und Christoph stehen vor ihrem Wohnhaus in Lütz
  Linda und Christoph vor ihrem sanierten Wohnhaus in Lütz.
Die alte Scheune in Lütz im ursprünglichen Zustand
© Linda Horstick
Die ehemalige Scheune im Ursprungszustand.
Bilder der alten Scheune in Lütz im Ursprungszustand
Alte Fotos zeigen den stark sanierungsbedürftigen Innenraum.

Spaß am Handwerk und echte Macher-Mentalität

Wer sich die Fotos vom ursprünglichen Zustand der Scheune ansieht, käme kaum auf die Idee, dass man hieraus ein bewohnbares Zuhause herstellen kann. Linda und Christoph haben sich vor sechs Jahren aber gedacht: "Verstand aus, Herz an. Wir machen das!", wie uns Linda rückblickend berichtet. Die Aussage "Wir machen das" ist dabei übrigens wörtlich zu nehmen. Denn Linda und Christoph haben - abgesehen von Estrich, Putz und Fenstern - alles in Eigenleistung saniert und gebaut. Egal ob Rohbau, Dach, Haustechnik oder Holzarbeiten: hoch motiviert und mit viel Spaß bei der Arbeit, aber auch mit dem nötigen handwerklichen Geschick, haben die beiden die alte Scheune Stück für Stück in ihren ganz persönlichen Wohntraum verwandelt.

"Ich habe bei erfahrenen Handwerkern aus unterschiedlichen Gewerken einfach mal ein paar Tage mitgearbeitet und mir so einiges angeeignet", sagt Christoph. Zusätzlich zum eigentlichen Wohngrundstück haben Linda und Christoph außerdem ein Waldstück in der Nähe gekauft: "Vieles, was hier aus Holz gefertigt ist, haben wir aus dem Holz aus unserem eigenen Wald gebaut", hält Christoph stolz fest. Die Terrassenüberdachung? Selbst gebaut aus eigenem Holz! Die Arbeitsplatte der Outdoorküche? Selbst gebaut aus eigenem Holz! Der Esstisch im Außenbereich? Selbst gebaut aus eigenem Holz!

Der obere Wohnbereich Richtung Wohnzimmer in der umgebauten Scheune in Lütz
Der schöne, offene Wohnbereich...
Der obere Wohnbereich in der umgebauten Scheune in Lütz
...ist das Highlight der ehemaligen Scheune.

Definitiv kein Haus von der Stange

Als wir das Innere des Hauses betreten, erkennen wir nicht nur die alte Scheune auf den Bildern von damals kaum noch wieder. Wir stehen in einem modernen, komplett offenen Wohnbereich, wie man ihn sonst nur aus Neubauten kennt. Christoph erklärt uns: "Wir haben uns während der gesamten Umbauphase vom Haus inspirieren lassen und praktisch 'mit dem Haus' gebaut. Wenn wir alles vorher geplant und strikt nach Zeichnung gearbeitet hätten, dann würde das Haus wahrscheinlich ganz anders aussehen als jetzt." Also alles richtig gemacht, wie wir finden.

Wo früher zwei Kühe in einem dunklen Bereich der Scheune untergebracht waren, ist heute das Badezimmer von Linda und Christoph. Direkt unter dem Dach haben sie eine Art Gondel gebaut, die sie nutzen können, um bspw. unter dem restaurierten Dachstuhl Spinnweben zu entfernen. Hierfür haben sie sich von historischen Heukränen inspirieren lassen.

Das Badezimmer in der umgebauten Scheune in Lütz
Früher Kuhstall, heute Badezimmer.
Der Innenbereich des Wohnhauses von Linda und Christoph in Lütz

Jede Ecke des aktuell 110 m² großen Wohnbereichs wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet und wird praktisch genutzt. Und das Ganze setzt sich auch im Außenbereich fort: Steht man an der Outdoorküche auf der Terrasse, genießt man den Blick auf Lütz und die bergige Hunsrücklandschaft. Kaum zu glauben, dass das meiste, was man hier im Außenbereich sieht, in eigener Handarbeit erbaut wurde.

Den alten Holzofen, der hier steht, haben die beiden von ihren Nachbarn geschenkt bekommen. Am Hang hinter dem Haus leben zwei ganz besondere Mitbewohner von Linda und Christoph: ihre beiden Ziegen, die hier an der Außenanlage "mitarbeiten" und diese sauber halten.

Die Terrasse der umgebauten Scheune in Lütz
  Auf der Terrasse sitzt man gemütlich...
Die Outdoorküche auf der Terrasse der umgebauten Scheune in Lütz
  ...und blickt von der Outdoorküche aus über Lütz und den Hunsrück.

Auf gute Nachbarschaft

Die beiden Münsterländer wurden nach ihrem finalen Umzug vor drei Jahren in ihrer neuen Wahlheimat gut aufgenommen. "In Lütz gibt es relativ viele Menschen, die ebenfalls hierher gezogen sind. Allein hierdurch entsteht schon eine gewisse Verbundenheit", sagt Linda. Aber auch der Rest der Ortsgemeinde hat sie freundlich empfangen. "Es liegt natürlich auch daran, wie man selbst auf die Menschen zugeht und sich mit einbringt", ergänzt sie. 

So haben Linda und Christoph bspw. das Nachbarschaftsfest in der Schnellbachstraße mit etabliert und sind auch sonst in Vereinen in Lütz engagiert. Christoph ist Vorstandsmitglied im Lützer Heimatverein, Linda hat eine Sportgruppe gegründet. Und in der Adventszeit sind die beiden aktiv mit dabei, wenn im alten Backes der Ortsgemeinde Flammkuchen zubereitet wird.

Wie die Private Dorferneuerung unterstützt

Kommen wir zurück zum Sanierungsprojekt. Wer eine alte, komplett baufällige Scheune in ein modernes Wohnhaus mit echter Lebensqualität umwandeln will, muss viel Geld in die Hand nehmen, auch wenn das meiste in Eigenleistung umgebaut wird. Bei einer solchen Investition ist man also froh, auf passende Fördermöglichkeiten zurückgreifen zu können.

"Ich habe mich frühzeitig über geeignete Fördermöglichkeiten informiert und bin dann auch sofort auf die Private Dorferneuerung gestoßen", blickt Linda zurück. Das Förderprogramm unterstützt Privatleute beim Umbau, der Sanierung oder dem Erhalt von alten und vor allem ortsbildprägenden Wohnobjekten. "Ein riesen Vorteil für uns war, dass hierüber auch Eigenleistung gefördert wird", berichtet Christoph begeistert.

Die Zuwendung durch die Private Dorferneuerung beträgt bis zu 35 % der förderfähigen Ausgaben pro Objekt, maximal können 30.000 EUR an Fördermitteln ausgezahlt werden. Genau diese Summe haben Linda und Christoph auch für ihr Vorhaben erhalten. 

Wer beim Thema Förderung an langwierige, komplizierte Verwaltungsprozesse denkt, liegt aber falsch. Das bestätigen auch Linda und Christoph: "Aus Verbrauchersicht war das wirklich sehr unkompliziert und hat super funktioniert."

Die sanierte Scheune in Lütz von außen
Die Scheune ist zu einem schönen, kleinen Wohnhaus geworden.

Die beiden legen daher auch allen, die ähnliche Pläne haben, ans Herz, sich über die Private Dorferneuerung zu informieren und mit der Kreisverwaltung in Cochem Kontakt aufzunehmen. "In unserem Konzept sehen wir noch viel mehr Potenzial für die gesamte Region. Denn es gibt viele leerstehende Gebäude oder Scheuen mit einer eigentlich noch guten Substanz", hält Linda fest. 

Und auch die beiden haben schon weitere Pläne und wollen den kleinen Anbau, der direkt an die Scheune grenzt und früher das eigentliche Wohnhaus war, in den nächsten Jahren sanieren. Wir haben nach unserem Besuch keine Zweifel: Auch hieraus werden Linda und Christoph etwas einzigartiges erschaffen.

Unser Fazit: Das Wort "Best Practice" könnte für das Dorferneuerungs-Projekt von Linda und Christoph wohl kaum treffender sein, denn viel besser und schöner kann man es kaum machen. Ihr Erfolgsrezept: ein ausgeprägtes Vorstellungsvermögen, handwerkliches Geschick, der Mut, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und eine Förderung, die unkompliziert und einfach beantragt und abgewickelt werden kann.


Wollt auch ihr euch über die Fördermöglichkeiten der Dorferneueurung im Landkreis Cochem-Zell informieren? Schaut gerne einmal auf dieser Seite vorbei oder meldet euch direkt bei euren Ansprechpartnerinnen: