Ein Dorferneuerungs-Objekt, das ein gesamtes Ortsbild prägt

Aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Wer die Hauptstraße in Grenderich entlangfährt, kommt nicht drumherum einen Blick auf das große, verschieferte Wohnhaus zu werfen, das fast schon herrschaftlich auf einem Hügel an der Ecke zur Südstraße steht. Das war nicht immer so, denn bis vor ein paar Jahren war von dem heute sehr ansehnlichen Wohnhaus nicht wirklich viel zu sehen. Es war von dieser Seite aus fast vollständig zugewachsen, Bäume und Sträucher versperrten die Sicht auf das Haus. Zum Glück, wie wir feststellen, wenn wir alte Fotos sehen!

Das riesige Gebäude, das vermutlich im 18. Jahrhundert oder sogar noch früher erbaut wurde und ursprünglich auch für landwirtschaftliche Zwecke genutzt wurde, stand über zehn Jahre lang leer. Umfangreiche Renovierungsarbeiten lagen offensichtlich noch deutlich länger zurück. Und so stand das Haus in der Südstraße 1 versteckt und unbeachtet vor sich hin, bis es zwei neue Besitzer aus seinem Dornröschenschlaf geweckt haben.

Das alte Gebäude hinter Hecken und Bäumen
© Steffi Jutz
Düster und zugewachsen: Das Wohnhaus von der Hauptstraße...
Außenansicht des Gebäudes im alten, renovierungsbedürftigen Zustand
© Steffi Jutz
... und von der Rückseite aus gesehen, vor der Sanierung.
Das sanierte Wohngebäude liegt an der Hauptstraße in Grenderich
© Steffi Jutz
Heute thront es über der Hauptstraße...
Außenansicht des Gebäudes im heutigen Zustand
© Steffi Jutz
... und gibt ein deutlich besseres Bild ab.

Diese neuen Besitzer sind Steffi und Jörg. Heute wohnen Steffi und Jörg in Hilden bei Düsseldorf, beide haben aber Wurzeln in Grenderich. Während Jörg selbst früher in der gleichen Straße der Hunsrückgemeinde gewohnt hat, liegt auch das Elternhaus von Steffi in unmittelbarer Nähe zum Sanierungsobjekt.

Als das renovierungsbedürftige Wohnhaus in ihrer Heimat im Jahr 2021 zum Verkauf stand, zögerten Steffi und Jörg nicht lange. Während viele aufgrund des optisch schlechten Zustands eher skeptisch auf den Kauf des Gebäudes blickten, sahen die beiden von Beginn an das große Potenzial der Immobilie.

Steffi und Jörg machten sich an die Arbeit und waren gleich überrascht: "Das Haus hat zehn Jahre leergestanden und wurde nicht geheizt. Trotzdem gab es keinen Schimmel, keinen muffigen Geruch, nichts", erinnert sich Jörg. Die Bausubstanz war dank der natürlichen Materialien wie bspw. Lehmputz noch in einem sehr ordentlichen Zustand. 

Für die beiden war daher auch von Anfang an klar, dass sie bei der Sanierung des Gebäudes ebenfalls auf natürliche, nachhaltige Materialien setzen wollen.

Steffi und Jörg vor dem sanierten Haus in der Südstraße in Grenderich
  Steffi und Jörg vor ihrem Sanierungsobjekt "Süd 1".

"Wir haben alles so gemacht, wie sie es hier auch vorher schon gemacht haben", sagt Steffi im Hinblick auf die Sanierungsarbeiten. Die Wände haben die beiden wieder mit Lehm verputzt und mit Holzfaser gedämmt, im Innenbereich haben sie mit Kalkfarben gearbeitet.

Dieser ehemalige Wohnbereich ist heute die Küche
© Steffi Jutz
Einmal wechseln, bitte: Das alte Wohnzimmer...
Diese alte Küche ist heute das Wohn- und Esszimmer
© Steffi Jutz
... und der Küchen- bzw. Essbereich...
Die heutige moderne Küche im alten Wohnbereich
... wurden getauscht. Die neue, moderne Küche...
Der heutige Wohn- und Essbereich mit Esstisch und Wohnzimmer
... und der große Wohn- / Essbereich.

Die perfekte Kombi aus Alt und Neu

Der Wohnbereich verfügt heute dank einer Wand- und Deckenheizung über ein angenehmes Klima. Das merken auch wir, trotz des kalten Regenwetters bei unserem Besuch im Herbst. Insgesamt beeindruckt uns vor allem die optisch sehr ansprechende Kombination aus modernen und alten Elementen im gesamten Wohnhaus. Die neue Küche und neue Sitzmöbel sorgen für ein modernes Wohngefühl. Die alten, restaurierten Holzbalken des Fachwerks und einige Möbelstücke aus vergangenen Zeiten greifen die Historie des Gebäudes auf. Uns fallen zum Beispiel zwei Brandflecken auf dem urigen Esstisch ins Auge: "Da hat die Oma dann mal vergessen, das Bügeleisen auszustellen", lacht Steffi. Und so erzählen noch viele weitere Einrichtungsgegenstände spannende Geschichten von früher.

Ein alter Schrank vom Speicher dient heute als Unterschrank für das Waschbecken im Badezimmer, während direkt gegenüber eine moderne, bodentiefe Dusche steht. Im Schlafzimmer sitzt man auf neuen Stoffsesseln neben einem großen alten Holzschrank. "Für mich bestärkt das eine das andere", sagt Steffi mit Blick auf die Kombi aus Alt und Neu.

Aus dieser alten Abstellkammer wurde das neue Badezimmer
© Steffi Jutz
Die alte Abstellkammer wurde zum modernen Badezimmer.
Das alte Schlafzimmer vor dem Umbau
© Steffi Jutz
Das Schlafzimmer vor der Sanierung.
Das neue, helle und moderne Badezimmer
© Steffi Jutz
Im Badezimmer wird die Kombi aus Alt und Neu deutlich...
Moderne und alte Möbel im heutigen Schlafzimmer
... und auch im Schlafzimmer treffen neue auf alte Möbel.

In unzähligen Arbeitsstunden haben Steffi und Jörg den Großteil der Sanierungsarbeiten in Eigenleistung erbracht. "Es war schon sehr viel Arbeit, gerade beim Verputzen der Wände und Decken. Wenn man heute den Kopf an die Wand hält, kann man uns wahrscheinlich noch Fluchen hören", lacht Steffi. Auf ihre Arbeit sind die beiden heute zurecht stolz. "Wenn wir uns die alten Fotos anschauen, sehen wir, was wir bisher schon alles geschafft haben" stellt sie zufrieden fest. Die Betonung liegt auf "bisher", denn Steffi und Jörg sind noch längst nicht fertig.

Direkt an den bereits sanierten Wohnbereich grenzt nämlich noch eine Scheune, die für die beiden schon zum nächsten Projekt geworden ist. Hier entstehen bald weitere Wohn- und Schlafmöglichkeiten auf zwei Ebenen - "Scheunenschlafen", wie es Steffi selbst nennt. "Die Pläne habe ich bereits fest im Kopf".

Schon heute kann der fertig sanierte Teil des Gebäudes als Ferienunterkunft gemietet werden. In den vergangenen Monaten waren bereits einige Gruppen zu Gast. Die Zielgruppe ist dabei ganz unterschiedlich, zuletzt war eine Biker-Truppe auf ihrer Durchreise zu Besuch. "Die Leute sind total happy, finden den Blick auf das Dorf toll oder auch die Möglichkeit, sich im  Garten morgens ihre Eier bei den Hühnern abzuholen. Sie haben hier einfach eine gute Zeit", erzählt Steffi. 

Jörg während der Arbeit an den Fußböden
© Steffi Jutz
Viel Eigenleistung: Jörg bei der Arbeit.
Der Wohnbereich während der Sanierungsphase
© Steffi Jutz
Der heutige Wohnbereich während der Umbauarbeiten.

Eine Bereicherung für den gesamten Ort

"Zugegeben: Als Jugendliche war ich kein großer Fan von Grenderich. Das hat sich heute komplett geändert. Ich genieße es, hier zu sein", sagt Steffi über ihre zweite Heimat. Doch nicht nur sie redet positiv über die Hunsrückgemeinde - im Gegenzug sind auch die Grendericher sehr froh über die "Renaissance" des alten Wohngebäudes. Durch die prominente Lage an der Ecke der Südstraße zur Hauptstraße prägt das Haus das Ortsbild ein gutes Stück weit mit. Und so profitiert der gesamte Ort davon, dass dem Gebäude neues Leben eingehaucht wurde.

Möglich gemacht hat die umfangreiche Sanierung unter anderem auch das Förderprogramm der Privaten Dorferneuerung (DE). "Da ich wusste, dass es ein solches Förderprogramm gibt, habe ich mich sofort nach dem Kauf bei der Kreisverwaltung informiert", blickt Steffi zurück. Die Private Dorferneuerung unterstützt Bauherrinnen und Bauherren beim Umbau und der Sanierung - und damit dem Erhalt - ortsbildprägender Wohngebäude bei uns im Kurvenkreis.

Wir fragen die beiden nach ihren Erfahrungen im Rahmen der Abwicklung der DE-Förderung. "Das war immer total easy. Die Förderung wurde nicht einfach nur nach Schema F abgewickelt. Wir haben immer wieder nützliche Tipps bekommen, um die Förderung zu optimieren und so das beste für uns und das Haus herauszuholen", lautet das positive Fazit von Steffi. "Wahrscheinlich hätten wir ohne die Private Dorferneuerung einige Sanierungsarbeiten, wie bspw. das Verschiefern im Außenbereich, nicht umgesetzt", ergänzt Jörg.

Blick vom Garten hinunter ins Dorf Grenderich
© Steffi Jutz
  Blick vom Garten in den Ort hinein.

Für uns ist "Süd 1" ein weiteres, sehr gelungenes Beispiel dafür, was im Rahmen der Privaten Dorferneuerung alles möglich ist. Es braucht mutige Bauherrinnen und Bauherren, die über ein gewisses Vorstellungsvermögen und die nötige Motivation zum Anpacken verfügen. Aber auch einen Förderprozess, der transparent und möglichst unbürokratisch ist und die Menschen im Kurvenkreis bei ihren Vorhaben tatsächlich unterstützt.

Wollt auch ihr euch über die Voraussetzungen und Unterstützungsangebote der Dorferneuerung im Kurvenkreis informieren? Werft einen Blick auf diese Seite oder wendet euch direkt an eure Ansprechpartnerinnen bei den Kreiswerken Cochem-Zell: