Wasserstofftag in Cochem: H₂ in der Praxis

Von der Theorie in die Praxis

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und dem Wasserstoffsektor sind unserer Einladung ins Cochemer Kreishaus gefolgt, um sich über konkrete Anwendungsfelder von Wasserstoff zu informieren, Erfahrungen auszutauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Der Wasserstofftag am 17. August 2026 machte deutlich, dass Wasserstoff längst nicht mehr nur ein Zukunftsthema ist. In verschiedenen Praxisbeispielen wurde gezeigt, wo die Technologie bereits heute eingesetzt werden kann. 

Nach der Begrüßung durch Dirk Barbye, Werkleiter der Kreiswerke Cochem-Zell, erklärte Dr. Stefan Stückrad, Leiter der Wasserstoff-Koordinierungsstelle RLP, die wirtschaftliche Bedeutung des Wasserstoffhochlaufes in Rheinland-Pfalz.

Anschließend gab Dr. Ümit Can von H2 Mobility Einblicke in die Anwendung von Wasserstoff im Bereich Mobilität und Logistik.

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Dr. Stefan Stückrad während seines Vortrags.

„Wasserstoff ist überall dort besonders interessant, wo Fahrzeuge täglich viel leisten müssen“, machte Dr. Can deutlich. Schwere Lasten, lange Strecken und kurze Tankzeiten sprechen für Wasserstoff. Moderne Brennstoffzellen-Lkw erreichen laut Dr. Can bereits Reichweiten von bis zu 800 Kilometern und können in weniger als 15 Minuten betankt werden. 

Dass die Technologie wirtschaftlich eingesetzt werden kann, zeigt auch ein weiteres Beispiel: Rund 250 Nutzfahrzeuge deutschlandweit werden schon heute täglich mit Wasserstoff betankt.  

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v.l.nr.: Werkleiter Dirk Barbye, Tobias Wolf und Dr. Stefan Stückrad.

Auch bei der Wärmeversorgung gibt es konkrete Anwendungsfälle. Christoph Zeis, Geschäftsführer der EDG (Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe GmbH), stellte unter anderem das Beispiel des Hallenbads in Oppenheim vor. Dort konnten durch die gewählte Lösung die externen Energiekosten deutlich reduziert werden, eine Art „Flatrate“ für die Energieversorgung. 

Tobias Wolf von HYTING zeigte, welche Möglichkeiten Wasserstoff bei der Prozess- und Gebäudewärme bietet. Das von HYTING entwickelte Heizungsmodul kann sowohl für Prozess- als auch für Gebäudewärme eingesetzt werden und erreicht Temperaturen von bis zu 300 Grad Celsius.

Sein Fazit: „Wasserstoff ist für uns die Antwort dort, wo Wärmepumpen an ihre Grenzen stoßen.“ Besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, Wasserstoff als Spitzenlastlösung in einem Hybridsystem einzusetzen und so Stromanschluss- und Investitionskosten zu reduzieren.

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H₂-Hub Faid: Wasserstoff aus der Region

Ein besonderer Schwerpunkt des Wasserstofftages lag auf der Projektidee des H₂-Hubs Faid. Die Infener AG zeigte den Gästen auf, wie eine dezentrale Wasserstoffproduktion bei uns im Kurvenkreis aussehen könnte und welche Perspektiven sich daraus für Unternehmen ergeben. 

Die Voraussetzungen am Standort Faid sind dabei grundsätzlich positiv. Der nächste wichtige Schritt ist es, weitere potenzielle Abnehmer aus Industrie, Mobilität oder anderen Bereichen für das Projekt zu gewinnen.

Tobias Gruber von der Infener AG bringt es auf den Punkt: „Nur gemeinsam können wir die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft in der Region konsequent vorantreiben.“

Seine Vision für die kommenden Jahre ist klar: Der H₂-Hub Faid soll zu einem „erfolgreichen Vorzeigeprojekt“ werden und einen weiteren wichtigen Baustein für die energetische Transformation im Kurvenkreis und in der Umgebung bilden.

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Tobias Gruber, COO und Head of Products, Infener AG.

Austausch, Vernetzung und konkrete nächste Schritte

Neben den Fachvorträgen stand vor allem der persönliche Austausch im Mittelpunkt. Am Nachmittag konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Themen Mobilität und Logistik sowie Gebäude- und Prozesswärme an Thementischen vertiefen.

Genau dieser Austausch ist für eine Region besonders wertvoll. Unternehmen können Fragen stellen, Erfahrungen teilen, mögliche Partner kennenlernen und gemeinsam überlegen, welche Lösungen für den eigenen Betrieb interessant sein könnten. 

Denn die Transformation der Energieversorgung wird nicht von einzelnen Akteuren allein gestaltet. Es braucht Unternehmen, Kommunen, Energieversorger, Technologieanbieter und weitere Partner, die miteinander ins Gespräch kommen und aus Ideen konkrete Projekte entwickeln.

Zukunftstechnologien als Chance für den Kurvenkreis

Für unsere Region ist die Auseinandersetzung mit Wasserstoff deshalb mehr als eine Diskussion über eine einzelne Technologie. Es geht um Energieversorgung, Wettbewerbsfähigkeit, Standortentwicklung und Resilienz.

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Gruppenfoto der Wirtschaftsförderung und Referenten.

Gerade angesichts schwankender Energiepreise und der zunehmenden Anforderungen an Unternehmen wird es wichtiger, sich frühzeitig mit möglichen Alternativen auseinanderzusetzen. 

Der Wasserstofftag sollte deshalb vor allem sensibilisieren und zeigen: Es gibt bereits heute Technologien und Geschäftsmodelle, mit denen sich Unternehmen beschäftigen können. 

Gleichzeitig wurde deutlich, dass erfolgreiche Projekte entsprechende Rahmenbedingungen und eine ausreichende Nachfrage benötigen. Beim H₂-Hub Faid bedeutet das beispielsweise, potenzielle Abnehmer frühzeitig zusammenzubringen.

Ihr habt Fragen zum Wasserstofftag, wollt das Thema in eurem Unternehmen mit einbringen oder habt bereits konkrete Bedarfe und Praxislösungen ausfindig gemacht? Meldet euch gerne bei eurem Ansprechpartner bei der Wirtschaftsförderung Cochem-Zell:

Q&A mit unseren Referentinnen und Referenten:

Joachim Harras, Project Manager, Infener AG

Was genau ist beim geplanten H₂-Hub Faid vorgesehen und wie soll die Wasserstoffproduktion dort funktionieren?

In Faid prüfen wir die Entwicklung eines dezentralen Wasserstoff-Hubs, der mittelständische Unternehmen und den Mobilitätssektor mit grünem Wasserstoff versorgen könnte. In einer ersten Ausbaustufe ist eine Elektrolyseleistung von rund 15 Megawatt vorgesehen. Dabei wird Wasser mithilfe von erneuerbarem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. So könnten jährlich etwa 1.500 Tonnen grüner Wasserstoff produziert und mit sogenannten Tube-Trailern zu regionalen Abnehmern transportiert werden. Damit möchten wir insbesondere KMU und der Mobilität eine zusätzliche Möglichkeit bieten, ihre Klimaziele zu erreichen. Die tatsächliche Größe der Anlage richtet sich nach dem regionalen Bedarf.
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Joachim Harras, Infener AG

Warum eignet sich Faid beziehungsweise die Region Cochem-Zell für ein solches Projekt?

Cochem-Zell ist eine besonders starke Region für erneuerbare Energien. Der Standort in Faid bietet verfügbare Gewerbeflächen, die unmittelbare Nähe zu einem Umspannwerk sowie weiteres Potenzial für Wind- und Solarenergie.

Auch die Verkehrsanbindung ist günstig: Die B259 liegt direkt am Standort, die A48 rund 15 Kilometer entfernt. Dadurch ergeben sich mögliche Einsatzfelder im Schwerlastverkehr. Die Nähe zur Mosel bietet zudem langfristig Potenzial für die Nutzung von Wasserstoff in der Binnenschifffahrt. So könnten Unternehmen in der gesamten Mosel-Hunsrück-Eifel-Region versorgt werden – insbesondere Betriebe ohne direkten Anschluss an das künftige Wasserstoff-Kernnetz.

Dr. Ümit Can, Sales & Business Development Manager, H2-Mobility

Wo sehen Sie heute die sinnvollsten Einsatzbereiche für Wasserstoff in Mobilität und Logistik?

Wasserstoff ist überall dort besonders interessant, wo Fahrzeuge täglich viel leisten müssen. Grundsätzlich sprechen schwere Lasten und lange Distanzen für Wasserstoff. Aber nicht nur. Entscheidend sind die jeweilige Transportaufgabe, die Fuhrparkgröße, die vorhandenen Standorte und die strategische Ausrichtung eines Unternehmens. Wasserstoff punktet dort, wo Reichweite, Nutzlast und Verfügbarkeit eine zentrale Rolle spielen. Moderne Brennstoffzellen-Lkw erreichen heute Reichweiten von bis zu 800 Kilometern und lassen sich in unter 15 Minuten betanken. 
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Dr. Ümit Can, H2-Mobility
Für viele Unternehmen ist entscheidend, dass sich Fahrzeuge flexibel einsetzen lassen und das Tanken auch bei hoher Auslastung schnell und planbar funktioniert, wie man es vom Diesel kennt. Deshalb sehen wir vor allem im Schwerlastverkehr, im ÖPNV und anderen anspruchsvollen Nutzfahrzeuganwendungen großes Potenzial für Wasserstoff.

Für welche Unternehmen oder Fahrzeugflotten lohnt es sich Ihrer Meinung nach, sich bereits jetzt konkret mit Wasserstoff zu beschäftigen?

Gerade Unternehmen mit größeren Fahrzeugflotten, planbaren Routen und einem hohen Bedarf an Fahrzeugverfügbarkeit sollten sich heute aktiv mit Wasserstoff beschäftigen. Die nationalen und europäischen regulatorischen Vorgaben setzen klare Anreize für die Dekarbonisierung des Verkehrs. Gleichzeitig entstehen attraktive Rahmenbedingungen für den Einsatz von Wasserstoff-Lkw und -Bussen, die es möglich machen, H2-Lkw mit grünem Wasserstoff paritätisch zum Diesel (Vorkrisenniveau) zu betreiben. Damit ist Wasserstoff besonders interessant für Unternehmen, die langfristige Planungssicherheit suchen: Mit mehrjährigen Lieferverträgen für grünen Wasserstoff können Unternehmen ihre Kosten stabil kalkulieren und Investitionen in emissionsfreie Mobilität verlässlich bewerten. Wer sich heute vorbereitet, verschafft sich einen wichtigen Vorsprung für die Anforderungen der kommenden Jahre.

Tobias Wolf, Manager Sales & Business Development, HYTING

Was sind die Vorteile von Wasserstoff zur Wärmeerzeugung?

Wasserstoff ermöglicht klimaneutrale Wärme dort, wo Elektrifizierung an Grenzen stößt, etwa als Spitzenlastlösung im Hybridsystem mit Wärmepumpen in der Gebäudewärme, deren Effizienz an kalten Tagen nachlässt. Wirtschaftlich spart das teure Stromanschluss- und Netzausbaukosten, da nicht die komplette Spitzenlast über das Stromnetz abgedeckt werden muss, und die Wärmepumpe selbst kann kleiner dimensioniert werden, was Investitionskosten senkt. Zusätzlich eignet sich Wasserstoff auch für Temperaturen bis 300°C in der Prozesswärme. Mit flammenloser, katalytischer Verbrennung, wie bei HYTING, entsteht die Wärme zudem komplett emissionsfrei, ganz ohne NOx-Emissionen, und mit sehr hohem Wirkungsgrad.
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Dirk Barbye, Tobias Wolf und Dr. Stefan Stückrad.

Was würden Sie einem Unternehmen empfehlen, das prüfen möchte, ob Wasserstoff für den eigenen Wärmebedarf eine sinnvolle Lösung sein könnte?

Der erste Schritt ist immer eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wie hoch ist der Wärmebedarf, auf welchem Temperaturniveau, und wie sieht die Verfügbarkeit von Wasserstoff vor Ort aus. Ist dieser bereits am Standort vorhanden, oder strebt man beispielsweise ein eigenes Ökosystem mit lokaler Erzeugung an? Darauf aufbauend hilft eine Wirtschaftlichkeitsrechnung und die Prüfung, welche Fördermittel genutzt werden können -dabei unterstützen wir gerne. Und ganz wichtig: den richtigen Weg in die Umsetzung wählen. In vielen Fällen sind auch Retrofit-Ansätze möglich, die müssen gemeinsam beleuchtet werden. Ein Pilotprojekt oder eine einzelne Anwendung liefert echte Betriebsdaten und schafft intern wie extern Vertrauen.

Tobias Gruber, COO, Head of Products, Infener AG

Was sind die nächsten konkreten Schritte auf dem Weg vom Konzept zur Umsetzung des H₂-Hubs Faid?

Damit wir das Konzept erfolgreich in die Umsetzung überführen können, müssen alle beteiligten Akteure gemeinsam an einem Strang ziehen. Neben der konkreten Weiterentwicklung des Konzepts hin zur Anlagenplanung gilt es insbesondere, weitere H₂-Offtaker aus Industrie, Mobilität und anderen Anwendungsbereichen zu gewinnen. Nur gemeinsam können wir die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wasserstoffwirtschaft in der Region konsequent vorantreiben.

Wo sehen Sie den H₂-Hub Faid in fünf Jahren, wenn das Projekt erfolgreich umgesetzt wird?

Als erfolgreiches Vorzeigeprojekt und weiteren wichtigen Baustein der energetischen Transformation in der Region, mit dem Ziel, die regionale Resilienz zu stärken und die Versorgungssicherheit durch lokal erzeugte grüne Energie nachhaltig auszubauen.
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Tobias Gruber, Infener AG