Ein Ort für Würde, Nähe und eine selbstbestimmte Zeit

Eine besondere Atmosphäre

Schon beim Betreten des Hospizes St. Josef Mittelmosel wird deutlich, dass hier eine besondere Atmosphäre geschaffen wurde. 

Das Thema Sterben begleitet Einrichtungsleiterin Sabine Anton schon über viele Jahre. „Für mich hat sich herausgestellt, es gibt zwei Formen von Sterben: schönes Sterben und nicht schönes Sterben."

Mit der Übernahme der Leitung des Hospizes verband sie deshalb einen klaren persönlichen Anspruch: „Mir war es ein Anliegen, das schöne Sterben zu schaffen, also die Begleitung für die Leute schön zu gestalten, aber auch die Kollegen zu unterstützen.“

Der freundlich gestaltete Eingangsbereich des Hospiz mit Willkommensschild wirkt hell und einladend.
Der freundlich gestaltete Eingangsbereich wirkt hell und einladend.


Ein Hospiz ist ein Ort zum Leben

Das Hospiz St. Josef Mittelmosel wurde im Sommer 2025 eröffnet. Inzwischen stehen neun helle und barrierefreie Zimmer zur Verfügung. Große, bodentiefe Fenster sorgen für viel Tageslicht. Die Zimmer verfügen über einen Balkon- oder Terrassenbereich, ein eigenes barrierefreies Bad, einen Kühlschrank sowie kostenfreies WLAN und Kabel-TV. Persönliche Gegenstände können auf Wunsch mitgebracht werden, damit die Zimmer individuell gestalten werden können. 

Die Zimmer sind bewusst wohnlich und modern gestaltet.
Die Zimmer sind bewusst wohnlich und modern gestaltet.
Barrierefreie Badezimmer mit Badewanne im Hospiz St. Josef.
Barrierefreie Badezimmer fördern einen selbstbestimmten Alltag.

Auch für Angehörige wurde mitgedacht: In den Zimmern stehen Schlafsofas zur Verfügung. Zusätzlich gibt es ein eigenes Angehörigenzimmer als Rückzugsort. Gemeinschaftsräume und eine Wohnküche schaffen Möglichkeiten für Begegnung und gemeinsame Aktivitäten. Wer Ruhe sucht, kann den „Raum der Stille“ oder die Kapelle auf dem Gelände nutzen.

Der Außenbereich soll künftig weiterentwickelt werden. Geplant ist unter anderem eine rund 60 Quadratmeter große Terrasse, die direkt von den Zimmern aus erreichbar sein soll. Die ruhige Lage im Grünen und der Blick ins Moseltal schaffen bereits heute eine besondere Umgebung. Dabei geht es nicht nur darum, draußen zu sein. Auch Gäste, die ihr Bett nicht mehr selbst verlassen können, sollen weiterhin am Leben außerhalb des Hospizes teilhaben können. „Immer was zu sehen, Kinder spielen, Jugendliche treffen sich, Menschen mit Hund“, beschreibt Sabine Anton die Eindrücke rund um das Gelände.

Wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner das Hospiz verlässt, wird ein selbstgebastelter Schmetterling über einer Gedenktafel aufgehängt.
Eine Erinnerung an die Verstorbenen.

Der Schmetterling als persönliches Zeichen

Während ihres Aufenthalts erhalten die Gäste einen Schmetterling, der allein oder gemeinsam mit Angehörigen individuell gestaltet werden kann. Wenn ein Gast das Hospiz verlässt, wird der Schmetterling über einer Gedenktafel aufgehängt. Er steht für Transformation, Loslassen und Leichtigkeit und bewahrt gleichzeitig eine persönliche Erinnerung an die Menschen, die im Hospiz begleitet wurden.

Hospizarbeit bedeutet weit mehr als die Begleitung in der letzten Lebensphase. „Wie kann ich den Menschen einfach nur schöne Momente schenken? Was kann ich noch mit ihm machen? Was möchte er noch machen? Wie können wir den Alltag gestalten, ohne, dass es langweilig wird und ohne, dass man immer in seinem Trauermoment oder in seinem Gedankenkarussell festhängt?“, beschreibt die Einrichtungsleiterin den Anspruch und die Motivtion ihres Teams.

Dazu gehören gemeinsame Aktivitäten ebenso wie kleine persönliche Wünsche. Die Gäste können sich beispielsweise an der Zubereitung von Speisen beteiligen. Wer möchte und dazu in der Lage ist, kann beim Schneiden und Zubereiten helfen oder einfach zuschauen und die Gemeinschaft genießen. Auch Ausflüge sind grundsätzlich möglich. Dafür kann unter anderem der Bus des gegenüberliegenden Seniorenzentrums genutzt werden. Zudem besteht eine Kooperation mit dem "Wünschewagen" - ein bekanntes Projekt, das Menschen langgehegte Wünsche erfüllt.

Begleitung durch ein starkes Team

Die Betreuung im Hospiz wird von einem multiprofessionellen Team getragen. Pflegefachkräfte und Pflegehelferinnen und -helfer arbeiten dabei eng mit der psychosozialen Betreuung, der Seelsorge, Ehrenamtlichen und der Verwaltung zusammen. 

Die evangelische und katholische Seelsorge stehen den Gästen und Angehörigen ebenfalls zur Verfügung. Ein Psychologe ergänzt das Team und unterstützt insbesondere bei existenziellen Lebenskrisen und belastenden Situationen.

Leiterin des Hospiz St. Josef, Sabine Anton (rechts) mit zwei Mitarbeiterinnen.
Leiterin Sabine Anton (rechts) mit zwei Mitarbeiterinnen.

Auch die medizinische Versorgung ist eng eingebunden. Die Betreuung kann weiterhin durch den bisherigen Hausarzt oder ein bereits bekanntes SAPV-Team erfolgen. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung ist rund um die Uhr erreichbar. Alternativ können Kontakte zu kooperierenden Palliativfachärztinnen und -ärzten vermittelt werden. 

Für die Mitarbeitenden sind regelmäßige Supervisionen, Fallbesprechungen und gemeinsame Konzepttage wichtig. Gefühle und Belastungen sollen offen angesprochen und ernst genommen werden. „Den richtigen Weg finden wir zusammen“, beschreibt Sabine Anton die gemeinsame Haltung im Team.

Wann ist ein Hospiz der richtige Ort?

Die Entscheidung für eine Hospizversorgung ist sehr persönlich. „Den richtigen Zeitpunkt für den Eintritt in die Hospizversorgung bestimmt im besten Fall der Gast für sich selbst“, erklärt Sabine Anton. Eine Aufnahme kann sinnvoll sein, wenn eine fortschreitende und nicht heilbare Erkrankung vorliegt und die medizinische sowie pflegerische Versorgung zu Hause nicht mehr ausreichend gewährleistet werden kann. Gründe können beispielsweise eine hohe Symptomlast, komplexe medizinische Anforderungen oder eine zunehmende Überforderung im häuslichen Umfeld sein. 

Für die Aufnahme werden unter anderem eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung, eine entsprechende Diagnose sowie der Wunsch nach einer Hospizversorgung benötigt. Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Interessierte können telefonisch, per E-Mail oder nach vorheriger Terminvereinbarung persönlich Kontakt aufnehmen und das Hospiz besichtigen (Kontaktmöglichkeiten findet ihr am Ende des Artikels).

Ein wichtiges Angebot für die Region

Das Hospiz spielt eine bedeutende Rolle für die Versorgung im Landkreis Cochem-Zell. Der Bedarf wächst unter anderem durch eine älter werdende Bevölkerung und die zunehmende Zahl von Menschen mit mehreren Erkrankungen. Die direkte Anbindung an die weiteren medizinischen Angebote auf dem Gelände bietet zusätzliche Vorteile. Perspektivisch soll das medizinische und therapeutische Angebot am Standort weiter wachsen. „Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg“, sagt Sabine Anton.

Spenden ermöglichen zusätzliche Angebote

Die Kranken- und Pflegekassen übernehmen 95 Prozent der Kosten für den Aufenthalt im Hospiz. Die verbleibenden fünf Prozent müssen durch Spenden, ehrenamtliches Engagement und Eigenmittel finanziert werden. Spenden ermöglichen Angebote, die über die medizinische und pflegerische Grundversorgung hinausgehen. Dazu zählen beispielsweise Klangschalentherapie, Aromaangebote, Massagen oder tiergestützte Angebote. Auch die weitere Gestaltung des Außenbereichs kann durch Spenden unterstützt werden.

Aktuell gestalten die Gäste des Hospizes gemeinsam bemalte Spendenschweine, die mit Unterstützung der Sparkasse Mittelmosel – Eifel Mosel Hunsrück in Zell aufgestellt werden sollen. 

Die Einnahmen kommen unter anderem der Weiterentwicklung des Außenbereichs zugute. Spenden können zudem dabei helfen, zusätzliche Kosten für Medikamente oder Hilfsmittel zu übernehmen und die Gäste des Hospizes finanziell zu entlasten.

Aktuell gestalten die Bewohnerinnen und Bewohner des Hospizes gemeinsam bemalte Spendenschweine.
Drei der selbstbemalten Sparschweine.


Ehrenamt: Zeit schenken und den Alltag bereichern

Ehrenamtliche sind ein wichtiger Teil der Hospizarbeit. Sie schenken Zeit, führen Gespräche, begleiten kleine Ausflüge oder unterstützen bei Festen. Dabei geht es nicht darum, pflegerische oder medizinische Aufgaben zu übernehmen. Ehrenamtliche bringen vor allem persönliche Aufmerksamkeit und gemeinsame Zeit in den Alltag der Menschen im Hospiz ein.

Der erste Qualifizierungskurs für die ehrenamtliche Tätigkeit im Hospiz und im ambulanten Bereich wurde bereits erfolgreich durchgeführt. Regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen begleiten die Ehrenamtlichen bei ihrer wichtigen Aufgabe.

Ein Ort für Menschen und ihre Geschichten

Das Hospiz St. Josef Mittelmosel zeigt, dass Hospizarbeit nicht allein vom Abschied geprägt ist. Es geht um Würde, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, die verbleibende Zeit nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Es geht darum, Angehörige zu entlasten und Menschen in einer schwierigen Lebensphase nicht allein zu lassen. 

Mit dem Hospiz ist auf dem Barl ein neues Angebot entstanden, das die regionale Gesundheits- und Versorgungsstruktur ergänzt und den Menschen in der Region einen Ort bietet, an dem persönliche Bedürfnisse, Nähe und Lebensqualität im Mittelpunkt stehen.

Kontakt:

Hospiz St. Josef Mittelmosel
Einrichtungsleitung: Sabine Anton
Telefon: 06542 97-1630

Verantwortliche Pflegefachkraft: Nadja Arenz
Telefon: 06542 97-1629

Webseite: www.hospiz-mittelmosel.de

Auch der Christliche Hospizverein Cochem-Zell e.V. ist eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige.

Vorsitzender: Thomas Werner
Barlstraße 7
56856 Zell-Barl

Telefon: 01556 2852394
E-Mail: info@hospizverein-cochem-zell.de