Road to Hawaii: David Simon auf dem Weg zum Ironman

Der Ironman und seine unglaublichen Distanzen

Der Ironman ist alles andere als ein gewöhnlicher Triathlon. Nach 3,8 km Schwimmen folgt eine 180 km lange Radstrecke - und dann läuft man mal eben noch einen ganzen Marathon (42,2 km). Ist das auch für euch nur schwer zu greifen? Dann stellt euch doch einfach mal Folgendes vor: 

Ihr steigt in Ernst in die Mosel und schwimmt bis nach Cochem. Dort angekommen, schnappt ihr euch euer Rad und dreht eine ganz große Runde durch unseren Kurvenkreis: Ihr fahrt nach Treis-Karden und von dort nach Kaisersesch, um eine Tour durch die Eifel über Laubach, Ulmen und Lutzerath zu machen. Dann geht's über Bad Bertrich wieder hinunter nach Zell. Anschließend schaut ihr euch den Hunsrück einmal genauer an und fahrt über Altlay und Blankenrath nach Mittelstrimmig. Jetzt geht es wieder bergab nach Beilstein und von dort immer an der Mosel entlang nach Pünderich. Ihr steigt übrigens erst jetzt wieder vom Rad ab. 

Weil ihr dann aber noch nicht genug habt, schnürt ihr eure Laufschuhe und lauft flussabwärts einen Marathon zurück nach Cochem - schon fertig! Wie das Ganze auf einer Karte aussieht, zeigen wir euch am Ende des Artikels einmal veranschaulicht.

Aus Büchel nach Kona

Während die aller meisten von uns diese Tour - wenn überhaupt - auf mehrere Tage aufteilen würden, benötigt David Simon aus Büchel hierfür im Idealfall weniger als 9 Stunden! Die Bestzeit des 35-Jährigen, der beim RSC Untermosel trainiert, beträgt aktuell 8 Stunden, 38 Minuten und 52 Sekunden, aufgestellt beim Triathlon in Frankfurt im vergangenen Jahr.

Am 10. Oktober 2026 wird David bei der Triathlon-Weltmeisterschaft, dem legendären Ironman in Kona auf Hawaii, an den Start gehen. Er ist damit Teil eines exklusiven Teilnehmerfeldes, denn die Startplätze für das Großevent sind rar. 

Für die WM auf Hawaii qualifiziert man sich nämlich nur dann, wenn man bei einem offiziellen Ironman-Event seine Altersklasse gewinnt oder es alternativ über einen sogenannten Performance-Pool ins Starterfeld schafft.

David gelang seine Quali mit dem Sieg in seiner Altersklasse beim diesjährigen Ironman auf Lanzarote Ende Mai. Damit geht für ihn nun ein absoluter Traum in Erfüllung.

Denn seit David mit dem Triathlonsport angefangen hat, schwirrte eine Teilnahme auf Hawaii in seinem Kopf herum. Die hat er nun erreicht. Fangen wir aber einmal ganz von vorne an. Wie wurde aus dem jungen Bücheler eigentlich ein "Eiserner Mann"?

David Simon beim Zieleinlauf des Ironmans auf Lanzarote
Hawaii-Quali geschafft: David Simon beim Zieleinlauf auf Lanzarote.

Alles begann mit Jan Ullrich und einem Fahrradladen in Büchel

Die sportliche Karriere begann für David natürlich nicht gleich mit dem Dreiklang aus Schwimmen, Radfahren und Laufen. "Ich wollte als Kind immer Radprofi werden. Nach der Schule saß ich vor dem Fernseher und habe Jan Ullrich bei der Tour de France verfolgt", erzählt David von seinen Kindheitserinnerungen aus den 90er Jahren und ergänzt: "Als dann in Büchel ein Fahrradladen eröffnet hatte, habe ich mit dem Mountainbiken angefangen und auch gleich an den ersten Wettkämpfen teilgenommen." 

Zu diesem Zeitpunkt war David 14 Jahre jung. Sein Weg führte ihn über die Nachwuchsbundesliga bis in die U23-Nationalmannschaft. Der allerletzte Schritt in die Weltspitze der Senioren blieb allerdings aus. David stand damals vor dem Abschluss seiner Polizeiausbildung, war dort Teil der Sportfördergruppe. Mit 23 entschied er sich schließlich, mit dem Mountainbikesport aufzuhören. "Ich habe dann generell erstmal weniger Sport gemacht und sozusagen meine Jugend nachgeholt", blickt er zurück. Der Sport hatte über Jahre einen großen Teil seines Lebens bestimmt.

2016, mit 26 Jahren, ist ihm dann das Buch "17 Stunden zum Ruhm" in die Hände gefallen. Das Werk beleuchtet die Besonderheiten und die Strahlkraft des Ironman auf Hawaii und begleitet Teilnehmer hautnah. Schon war sein sportlicher Ehrgeiz wieder zurück, wie David berichtet: "Da habe ich richtig Feuer gefangen und mit dem Triathlon begonnen."

David Simon bei einem Mountainbike-Wettbewerb
Was auf dem Mountainbike begann,...
Die Medaillensammlung von David Simon
...ist heute eine beeindruckende Medaillensammlung geworden!

Erste Langdistanz - kurze Pause - Kickstart Corona

Schon ein Jahr später, nämlich 2017, nahm David an seinem ersten Rennen über die Langdistanz teil, und nicht einfach an irgendeinem: Die "Challenge Roth" gilt als größte Triathlonveranstaltung der Welt, mit tausenden Teilnehmern und sogar hunderttausenden Zuschauern am Streckenrand. Er war absolut begeistert vom Event in Mittelfranken: "Das ist neben Hawaii schon das coolste, was man in Sachen Langdistanz machen kann."

Mit dem Zieleinlauf bei der Challenge Roth war für David das Thema Triathlon dann vorerst wieder abgehakt - der große Traum vom Ironman auf Hawaii schlummerte aber weiter in seinem Hinterkopf.

David Simon bei der Challenge Roth 2017
David Simon bei der "Challenge Roth".

Erstmal rückten wieder andere Dinge in den Vordergrund. David renovierte 2018 das Haus seiner Oma in Büchel, zog dann aus Koblenz wieder zurück in seinen Heimatort.

Er kam "mal ebenso" auf die Idee, neben seiner Arbeit bei der Polizei auch noch Jura zu studieren, wie er uns mit einem Schmunzeln erzählt. "Dann kam Corona und ich habe mit dem Studium wieder aufgehört. Außerdem hat mich der Gedanke an Hawaii einfach nicht losgelassen."

Also nahm David das Training wieder auf, die Coronapandemie kam ihm in dieser Hinsicht sogar sehr gelegen.

In einer Zeit voller Einschränkungen, als viele Aktivitäten schlichtweg nicht möglich waren, blieb viel Platz für Sport im Kalender. "Ich hatte dann sogar zu viel Zeit und es mit dem Training erst einmal völlig übertrieben, mich zu schnell gesteigert und verletzt. Gerade beim Laufen habe ich mich echt verzockt", berichtet David von seiner etwas zu forschen Herangehensweise. Doch aus Fehlern lernt man ja bekanntlich, er ging das Ganze fortan mit mehr Plan und Struktur an.

Für Plan und Struktur sorgt heute sein Trainer Andreas Würtz, der ihn auch jetzt bei der Vorbereitung unterstützt. Und auch seine Vereinskollegen beim RSC Untermosel, bei dem David seit 2016 trainiert, supporten ihn und begleiten die eine oder andere Trainingseinheit. "Es hilft ungemein, dass ein solcher Verein hier in der Umgebung ist und ich nicht alles komplett allein machen muss", sagt David stolz. Der RSC Untermosel entwickelt sich laut David sehr gut und hat in den letzten Jahren viele junge Mitglieder dazugewonnen.

Und wo wir schon einmal in der Umgebung sind: Auch bei uns, direkt im Kurvenkreis, findet seit 2009 ein Triathlonevent statt, das inzwischen überregional bekannt ist: Der Mittelmosel Triathlon in Zell bzw. Bullay. Natürlich hat David auch am "MMT" schon mehrmals teilgenommen und es bei der diesjährigen Veranstaltung aufs Treppchen geschafft. Doch zugegeben: Die Distanzen kommen dann doch nicht ganz an einen Ironman heran.

20 Stunden Training pro Woche - neben dem Vollzeitjob

David arbeitet als stellvertretender Dienstgruppenleiter im Schichtdienst bei der Cochemer Polizei. Extrawürste oder Sonderbehandlungen gibt es im Job für den ambitionierten Triathleten nicht. "Ich bin - wie alle anderen auch - ganz normal an den Schichtrhythmus gebunden. Nach besonders intensiven und stressigen Schichten muss man im Training schon mal das Tempo rausnehmen, aber grundsätzlich klappt das sehr sehr gut."

Sein Job und seine Leidenschaft lassen sich gut miteinander vereinbaren, erzählt David zufrieden. Auch die Kollegen halten ihm den Rücken frei. Es gab in der Vergangenheit schon die Überlegung zur Kripo zu wechseln, um geregelt im Tagdienst zu arbeiten, "ich habe mich dann aber bewusst dagegen entschieden, da es für mich persönlich im Schichtdienst sogar einfacher ist, meinen Beruf mit dem Sport in Einklang zu bringen", sagt er.

Aktuell trainiert David rund 20 Stunden pro Woche. Ein Tag Trainingspause? Fehlanzeige! "Vielleicht alle paar Wochen mal. Wenn ich einen kompletten Ruhetag einbaue, fährt der Körper zu sehr herunter und ich bekomme Probleme, wieder in die Belastung reinzukommen", erklärt er uns.

Es kommt sogar vor, dass David drei Trainingseinheiten - Schwimmen, Radfahren und Laufen - an einem einzigen Tag absolviert. Und auch am Morgen vor unserem Interview hat er schon 10 km Intervallläufe in den Beinen. Bei längeren Einheiten hört David übrigens gerne Podcasts. Sport und Wirtschaft sind die Themen, die ihn beim Training begleiten.

David Simon auf seinem Triathlon-Rennrad
David Simon beim Training auf seinem Rennrad.

In den letzten Wochen vor dem Ironman wird David dann noch einmal einen zusätzlichen Fokus aufs Schwimmen legen, denn hier hat er noch Potenzial, wie er selbst sagt. Von einer wirklichen Schwachstelle will David aber bei Weitem nicht sprechen: "Es ist nicht so, dass ich schlecht schwimme. Aber ich schwimme eben nicht so gut, wie ich Rad fahre oder laufe. Man gewinnt den Ironman zwar nicht beim Schwimmen, wie man unter Triathleten sagt, aber man kann ihn dort definitiv verlieren."

Das Schwimmen ist übrigens nicht nur beim Wettkampf eine echte Herausforderung, sondern auch in der Vorbereitung. Schließlich haben auch die Schwimmbäder in unserer Region aktuell Hochsaison und nicht gerade ihre Bahnen für Triathleten, die sich auf einen Ironman vorbereiten, reserviert. "Da wird es schon mal eng auf der Bahn, hier und da gab es auch schon Diskussionen. Ich plane mein Schwimmtraining daher einfach früh morgens oder abends ein, dann geht das schon", nimmt es David mit Humor.

Wer jetzt glaubt, dass David in der aktuellen Phase und in Anbetracht eines Vollzeitjobs in Kombination mit 20 Stunden Training pro Woche im Dauerstress lebt, täuscht sich. Auf uns macht er einen sehr ruhigen und fokussierten Eindruck. Er hat einen klaren Plan, verlässt sich auf seine Fähigkeiten und sein Know-How sowie auf die Unterstützung seines Trainers und Vereins. 

Uns hat daher auch interessiert, wer eigentlich Davids Vorbilder sind und wer ihn besonders prägt. Seine Antwort: "Sportlich gesehen auf jeden Fall Jan Ullrich. Ich wäre heute nicht da, wo ich bin, wenn ich mich damals nicht so für die Tour de France interessiert hätte. Persönlich haben mich meine Eltern sehr geprägt. Zum einen, was die Bedeutung von Familie und Freunden betrifft, auf die man sich immer verlassen kann. Zum anderen wurde mir früh beigebracht, dass man viel erreichen kann, wenn man hart für seine Ziele arbeitet."

David Simon läuft beim Ironman in Frankfurt 2025
 David auf dem Weg zu seiner persönlichen Bestzeit in Frankfurt 2025.

Der Weg nach Hawaii und die Zeit danach

Für David wird es am 01.10.2026 ernst. Denn dann hebt sein Flieger ab und die "Road to Hawaii" nähert sich ihrem Höhepunkt. "10 Tage sind schon das Minimum, das man braucht, um sich vor Ort zu akklimatisieren", stellt er fest.

Mit im Gepäck hat er dann auch seine Partnerin und Freunde aus der Heimat, die ihn bei seinem Ritt über die Pazifikinsel supporten werden.

Doch wie wird es nach der Weltmeisterschaft weitergehen? Das kann David selbst noch nicht zu 100 Prozent beantworten. "Erst einmal machen wir drei Wochen Urlaub, in denen ich nicht an den Sport denken will. Ob Hawaii aber das End- oder nur ein Zwischenziel ist, kann ich aktuell noch nicht sagen", antwortet David auf die Frage nach seinen zukünftigen Plänen.

Vielleicht hängen diese auch ein bisschen davon ab, wie der Ironman auf Hawaii für ihn verläuft.

Realistische Erwartungshaltung

Zweiter seiner Altersklasse und Bestzeit in Frankfurt 2025, bester seiner Altersklasse auf Lanzarote 2026, voller Fokus aufs Training. Kann David auf Hawaii nun also auch die Profis angreifen? Bei all den Top-Leistungen und Erfolgen in den vergangenen Jahren blickt David realistisch auf seine Teilnahme bei der WM. "Für Amateure wie mich ist es unmöglich, unter den Profis um die vorderen Plätze mitzufahren. Die trainieren 30 bis 40 Stunden pro Woche, das ist nochmal eine ganz andere Hausnummer", stellt er fest.

Für David geht es aber ohnehin nicht um Platzierungen, sowohl mit Blick auf Hawaii als auch den Ironman allgemein. Er macht deutlich: "Der Anreiz, durch den ich damals mit dem Ziel Ironman gestartet bin, treibt mich auch heute noch an. Es ging und geht mir auch heute in erster Linie darum, das überhaupt zu schaffen und es mir selbst zu beweisen. Ich mache das nicht für andere und auch nicht für Platzierungen und Erfolge. Man kämpft vor allem für und gegen sich selbst."

Die Konstellation, dass Amateure und Profis beim Ironman ein und dasselbe Rennen bestreiten, ist für David etwas sehr Besonderes. "Das ist wirklich cool und das hast du in kaum einer anderen Sportart", kommt er ins Schwärmen.

Ein Blick auf die Finanzen

Worüber rund um den Ironman eher wenig gesprochen wird: das Finanzielle. Sowohl die Teilnahme an der Weltmeisterschaft als auch der Triathlonsport im Allgemeinen gehen ganz schön ins Geld. Ein Triathlet betreibt eben drei Sportarten, für die er ausgerüstet sein muss.

"Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt, aber du kannst dir grundsätzlich für 2.000 EUR eine gute Triathlonausrüstung zusammenstellen. Für den Anfang ist bspw. ein gebrauchtes Rennrad völlig ausreichend", erklärt David und gibt allen, die in den Triathlonsport einsteigen möchten, einen Tipp mit auf den Weg: "Gerade am Anfang kannst du durch dein Training deutlich mehr erreichen als über das Material, das ist ganz wichtig." 

Wenn die Ambitionen dann höher werden und auch die Ansprüche sowie das Pensum steigen, macht es absolut Sinn etwas mehr in den Sport zu investieren. So kommt David mit seiner gesamten Ausrüstung mittlerweile in einen fünfstelligen Bereich. Doch nicht nur das Material kostet Geld. Die Teilnahme an Wettkämpfen in der ganzen Welt ist teuer, neben Startgebühren fallen insbesondere die Reisekosten ins Gewicht, so auch jetzt auf Davids "Road to Hawaii". Umso mehr freut es ihn, dass ihn viele regionale Sponsoren auf seinem Weg unterstützen.

David Simon auf der Laufstrecke des Mittelmosel Triathlons in Bullay
David Simon beim Mittelmosel Triathlon in Bullay.

Begleitet David auf seinem Weg zum und beim Ironman

Ihr wollt David weiter auf seinem Weg zum Ironman auf Hawaii folgen? Dann informiert euch auf seiner Webseite www.roadtohawaii.de oder folgt ihm auf Instagram (@david91simon). 

Die Veranstaltung selbst wird im Livestream bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gezeigt, während ihr David sogar im Ironman-Liveticker tracken und seinen Rennverlauf verfolgen könnt.

David, wir wünschen dir schon jetzt viel Erfolg und sind stolz darauf, dass du unseren Kurvenkreis bei der Triathlon-Weltmeisterschaft auf Hawaii vertrittst!


Zur Veranschaulichung: Die Ironman-Distanz im Kurvenkreis

So oder so ähnlich würde es aussehen, wenn man die Ironman-Distanz in CochemZell zurücklegt:

Die Ironmandistanz zur Veranschlaulichung auf einer Karte des Landkreises Cochem-Zell