Hacker, Drohnen, Fake News: Ein Vormittag voller Aha-Momente

Bei strahlendem Wetter versammelten sich am Morgen um die 700 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulen des Landkreises vor der Halle. Die Stimmung ist locker, fast wie an jedem anderen Schultag. Viele unterhalten sich, einige schauen aufs Handy, ganz alltägliche Szenen. Doch genau diese Alltäglichkeit ist es, um die es an diesem Vormittag geht. Denn was für viele selbstverständlich wirkt, birgt oft mehr Risiken, als man denkt.

Ein starkes Netzwerk hinter der Idee

Dass dieses Thema so praxisnah vermittelt werden konnte, liegt auch an der breiten Zusammenarbeit hinter dem Event: Gemeinsam organisiert von SCHULEWIRTSCHAFT Cochem/Kaisersesch, der IHK Koblenz, der HWK Koblenz und der Wirtschaftsförderung Cochem-Zell – wurde hier bewusst Know-how aus Schule, Wirtschaft und IT gebündelt.

Landrätin Beilstein hält ihre Eröffnungsrede, man sieht die Hinterköpfe von v.l.n.r. Ulrich Irnich, Dr. Christian Reinhardt und Immanuel Bär, die auf die Bühen schauen.
v.l.n.r. Ulrich Irnich, Dr. Christian Reinhardt und Immanuel Bär.



Landrätin Anke Beilstein macht gleich zu Beginn deutlich, worum es dabei geht:

Unser Anliegen ist es als Landkreis, als Schulträger, junge Menschen fit für die digitale Zukunft zu machen.

Und dieser Anspruch zieht sich durch den gesamten Vormittag.

Mit dem Ethical Hacker Immanuel Bär, dem Sportpsychologen Dr. Christian Reinhardt und Digitalisierungsexperten Ulrich Irnich stehen drei Referenten auf der Bühne, die das Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Wenn ein Hacker zeigt, wie angreifbar wir wirklich sind

Für den wohl eindrücklichsten Moment sorgt direkt zu Beginn Immanuel Bär. Ohne große Vorwarnung zeigt er live, wie er sich in eine Überwachungskamera hackt, irgendwo in einem Büro in Russland. „Es ist schon krass, wie schnell man sich in so eine Kamera reinhacken kann“, sagt ein Schüler später und bringt damit auf den Punkt, was viele denken.

Wie einfach manche Hacking-Angriffe oft tatsächlich ablaufen, zeigt der Ethical-Hacker an einem weiteren Beispiel, das noch näher an der Realität vieler Unternehmen liegt: Er zeigt ein Video, in dem er sich mit seinem Team Zugang in ein Unternehmen verschafft hat, indem sie sich als beauftragte Dienstleister ausgaben. Kein komplizierter Hack, kein technischer Aufwand – sondern gezielte Täuschung, selbstbewusstes Auftreten und das Ausnutzen von Vertrauen. So gelangten sie in interne Bereiche, konnten sich frei bewegen, Systeme einsehen und verließen das Gelände am Ende sogar mit einem „geklauten“ Firmenfahrzeug. Ein Szenario, das deutlich macht, dass Sicherheitslücken nicht nur im technischen Bereich liegen

Bär auf der Bühne, auf der Leinwand hinter Bär laufen die Szenen des Hackingangriffs.
Auf der Leinwand hinter Bär laufen die Szenen des Hackingangriffs.

Alltägliche Apps werden zur potenziellen Gefahr

Ein weiteres Beispiel trifft den Alltag der Jugendlichen direkt. Anhand einer fiktiven Schülerin namens „Emma“ erklärt Bär, wie viele persönliche Daten unbewusst geteilt werden und wie leicht diese ausgenutzt werden können. Im Fokus steht dabei die sogenannte Snap-Map der App Snapchat: Eine Funktion, mit der Nutzerinnen und Nutzer ihren Standort bei Nutzung der App in Echtzeit sichtbar machen. Was für viele harmlos klingt, kann schnell zum Risiko werden.

Denn wer seinen Standort teilt, gibt mehr preis als gedacht – Bewegungsmuster, Aufenthaltsorte, Gewohnheiten. Daten, die – einmal veröffentlicht – kaum wieder einzufangen sind. Am Beispiel von Emma zeigt der Ethical-Hacker, dass Daten missbraucht werden können, z.B. um Emma im echten Leben gezielt aufzufinden oder sich im Internet als sie auszugeben. Als Bär fragt, wer die Snap-Map nutzt, gehen viele Hände nach oben – ein Beweis dafür, dass sein Beispiel nah an der Realität vieler Jugendlichen ist.

Dr. Reinhardt appeliert an die Jugendliche, vorsichtig mit ihren Daten umzugehen
Dr. Reinhardt appeliert an die Jugendliche, vorsichtig mit ihren Daten umzugehen


„Ich werde jetzt sehr aufpassen, was ich schreibe und was ich poste“, sagt eine Schülerin im Anschluss. Ein Satz, der zeigt: Die Beispiele wirken. Sein Hinweis bleibt im Raum stehen: „Denkt immer an das Beispiel von Emma: Egal welche Apps ihr nutzt, ihr gebt Daten ins Unendliche raus. Und die bekommt ihr nie wieder zurück.“

Drei Worte, die schützen können

„Wir wollen die Jugend resilient machen gegen all das, was momentan in der Welt passiert“, erklärt Redner Ulrich Irnich seine Motivation. Er liefert für Gefahren im Internet eine einfache Strategie für den Alltag: „Nicht unter Druck entscheiden. Fragt euch, wenn ihr etwas seht, was euch komisch vorkommt: Stimmt das wirklich?“ Oft reicht schon ein kurzer Moment des Innehaltens, um nicht in eine Falle zu tappen. Seine Botschaft an die Jugendlichen ist klar: „Ihr seid nicht machtlos. Die digitale Welt ist eure Welt.“

Viele Schüler heben die Hand.
Die Schülerinnen und Schüler werden aktiv in den Vortrag miteingebunden.


Digitalisierungsexperten Ulrich Irnich und Sportpsychologe Dr. Christian Reinhardt. auf der Bühne.
Digitalisierungsexperten Ulrich Irnich und Sportpsychologe Dr. Christian Reinhardt.



Warum wir auf Manipulation hereinfallen

Dass Cyberangriffe so häufig erfolgreich sind, liegt nicht nur an technischen Schwachstellen, sondern vor allem am Menschen selbst. Dr. Christian Reinhardt erklärt, welche Rolle Emotionen dabei spielen„Angreifer versuchen, uns emotional zu machen.“ Zeitdruck, Angst oder Neugier werden gezielt eingesetzt, um Menschen zu schnellen Entscheidungen zu drängen.  Sein Appell: „Seid euch im Klaren, dass ihr manipuliert werdet.“ Und er räumt mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: „Viele glauben, ihre Daten wären nicht wichtig – das ist eine Fehlannahme. Im Internet sind Daten sehr viel wert.“

Konkrete Tipps, die im Alltag ankommen

Neben den eindrücklichen Beispielen bleiben auch ganz praktische Hinweise hängen. „Aktiviert die Zwei-Faktor-Authentifizierung, zum Beispiel bei WhatsApp.“, rät Bär. Und auch beim Thema Verhalten im Netz findet er klare Worte: „Seid nicht Teil von Mobbing.“ Die Mischung aus echten Einblicken, verständlichen Erklärungen und konkreten Tipps sorgt dafür, dass die Inhalte nicht abstrakt bleiben, sondern direkt im Alltag der Jugendlichen ankommen.

Redner, Organisatoren und, Sponsoren versammeln sich zum Abschluss auf der Bühne und machen ein Selfie.
Redner, Organisatoren und, Sponsoren versammeln sich zum Abschluss auf der Bühne.


Der Blick aufs Netz verändert sich

Im Laufe des Vormittags wird spürbar, dass es nicht um Abschreckung geht, sondern um Verständnis.„Man konnte sehr viele Erfahrungen sammeln und es hat Spaß gemacht“, sagt eine Schülerin und zeigt damit, dass die Inhalte nicht nur abschrecken, sondern auch ankommen.  Ein anderer ergänzt: „Ich nehme vor allem Respekt vor dem Thema Hacking mit.“ Und genau dieser Perspektivwechsel scheint zu funktionieren: weg von Unwissenheit, hin zu einem bewussteren Umgang.

Zwei Schüler laufen durch die Halle, um mit einem Stabmikrofon die Fragen der Schülerinnen und Schüler hörba zu machen.
Am Ende hatten die Schülerinnen und Schüler noch die Möglichkeit...


Um die 700 Schülerinnen und Schüler nehme an dem Event in Kaisersesch teil.
... Fragen direkt an Immanuel Bär und Dr. Christian Reinhardt zu stellen.


Viele Ehrengäste sameln sich auf der Bühne.
Rückblick auf eine rundum gelungene Veranstaltung.


Ein Thema, das bleibt

Für Landrätin Anke Beilstein steht fest, dass solche Veranstaltungen weitergeführt werden sollen: „Die jungen Leute haben toll mitgemacht. Genau solche Formate brauchen wir, um digitale Kompetenzen früh zu stärken.“ Und sie macht deutlich, dass es dabei um mehr geht als nur Wissen: „Wir wollen junge Menschen nicht nur informieren, sondern sie befähigen, sich sicher und selbstbewusst in der digitalen Welt zu bewegen.“

Mehr als nur ein Schulvormittag

Als die Schülerinnen und Schüler die Halle verlassen, ist vor allem eines spürbar: ein veränderter Blick auf die digitale Welt. Nicht jede Nachricht wird sofort geglaubt. Nicht jeder Klick passiert unüberlegt. Genau darin liegt die Wirkung dieses Vormittags. Denn digitale Sicherheit beginnt nicht mit komplizierter Technik, sondern mit einem einfachen Gedanken: Stimmt das wirklich?