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Unternehmensreportage Raiffeisenbank MEHR

Die Zukunft braucht Persönlichkeiten

Raiffeisenbank MEHR eG, Kaisersesch

Kundennähe, regionale Verbundenheit und Mitarbeitermotivation beherrscht die Raiffeisenbank MEHR im Schlaf – und wird auch in Zukunft darauf setzen. Doch um Herausforderungen wie den Fachkräftemangel zu meistern, geht die Genossenschaftsbank ungewöhnliche Wege. Das könnte nicht nur in der Finanzbranche Schule machen.

Quereinstieg: Fachkräfte gewinnen durch neue Perspektiven

Menschen am Anfang ihrer Karriere sind normalerweise gerade aus der Schule raus. Bei Marcel Schüller und Carmen Berressem ist das allerdings schon eine Weile her. Marcel ist 43 Jahre alt, Carmen 46. Also eigentlich kein Alter, in dem man noch einmal von vorn beginnt. Doch die beiden sind Teil des Quereinsteiger-Programms der Raiffeisenbank MEHR, bei dem Berufserfahrene aus anderen Branchen zu einem Neustart im Finanzwesen animiert werden.

Die Raiffeisenbank MEHR scheint es dabei besonders leicht zu haben, Menschen für dieses Programm zu begeistern. Wie viele Arbeitgeber im Kurvenkreis profitiert die „RB MEHR“ unter anderem von der Macht des Heimatgefühls: „Ich bin schon immer hier Kunde gewesen. Als ich mich in meiner Karriere neu orientieren wollte, habe ich mich an meinen ursprünglichen Berufswunsch erinnert – Bankkauffrau. Also habe ich eine Initiativbewerbung geschickt und gehofft, dass es klappt“, erzählt Carmen von ihrem Weg zum neuen Job.

Sie wohnt nur „drei Minuten mit dem Auto“ von ihrer jetzigen Arbeitsstelle entfernt, Kollege Marcel kommt ebenfalls aus der Region. Auch er brauchte einen „beruflichen Tapetenwechsel“ und hörte über Bekannte von der Chance in Kaisersesch.

 Haben sichtlich Spaß bei ihrer Arbeit: Carmen Berressem…
 ...und Marcel Schüller sind Quereinsteiger bei der Raiffeisenbank.

Selbst in Führungspositionen wimmelt es bei der Raiffeisenbank MEHR von hausgemachten Kurvenkreisgewächsen: Alexandra Lanser, Leiterin der Abteilung Firmenkunden, kommt von hier und arbeitet seit 25 Jahren in ihrem Bereich, Vorstandsmitglied Thomas Welter wurde „acht Kilometer Luftlinie“ von seinem heutigen Arbeitsplatz geboren, wie er stolz erzählt.

Mit dieser tiefen Verwurzelung in der Region ist die Raiffeisenbank MEHR zwar kein Einzelfall, aber hier ist sie besonders wichtig, findet Thomas Welter: „Für Überweisungen oder Einzahlungen muss heute keiner mehr zur Bank – aber für alles, was darüber hinaus geht. Wenn es ein Problem gibt, müssen wir da sein und Sicherheit geben. Das funktioniert vor allem über enge Kundenbeziehungen.“ Dafür brauche es aber ausreichend Personal, das die Sorgen und Nöte der Menschen vor Ort versteht und ihre Sprache spreche. Und ‚gerade deshalb‘ sei das Quereinsteiger-Programm eine hervorragende Idee.

  Im Gespräch: Firmenkundenleiterin Alexandra Lanser…
  …und Vorstand Thomas Welter.

Neue Blickwinkel für eine Traditionsbranche

„Eigentlich hatte ich erwartet, dass mich die ausgebildeten Banker erst einmal komisch angucken“, erzählt Marcel von seinen Anfängen im Oktober 2025. „Doch ich war vom ersten Tag an ein vollwertiges Mitglied des Teams und habe viel Unterstützung erhalten.“ Das notwendige Wissen konnte er sich durch Weiterbildungen aneignen, die wichtigsten Fähigkeiten für seinen neuen Job brachte er aber bereits mit: „Man muss vor allem Spaß an der Beratung haben, freundlich sein. Wir Quereinsteiger bringen dabei auch Kenntnisse mit, die eine Bank oft nicht auf dem Schirm hat“, ist er sich sicher.

Carmen, die seit November 2024 dabei ist, sieht das ähnlich: „Ich habe die Bank schon immer als Kunde wahrgenommen. Genau diese Perspektive wird sehr geschätzt.“

Natürlich mussten die beiden Quereinsteiger ein paar Klischees über Bord werfen, die wohl jeder Laie vom Berufsfeld hat. Das beginnt beim strengen Dresscode, der längst nicht mehr so streng ist, und endet bei den Abläufen hinter den Kulissen:

„Wir sind unheimlich digital, haben ergonomische Arbeitsplätze – das hatte ich so nicht erwartet“, sagt Carmen. Sie ist ein besonderer Fan der digitalen Angebote für Kundinnen und Kunden, wie etwa dem Bezahlring. „Dafür mache ich im Übrigen auch abseits der Arbeitszeit Werbung, weil ich sowas selbst im Privaten klasse finde.“ 

Obendrein wäre es für sie als Teilzeitkraft kein Problem, ihre Arbeit und ihre „Hauptrolle als Mutter“, wie sie sagt, unter einen Hut zu bekommen. „Darauf wird hier sehr viel Rücksicht genommen, in anderen Unternehmen habe ich das nicht immer so erlebt.“

Auch Marcel ist von den digitalen Services begeistert. Gleichzeitig betont er, wie wichtig es für einen Dienstleister wie die Raiffeisenbank ist, einen ausgewogenen Mittelweg zwischen dem Onlinegeschäft und der persönlichen Betreuung zu finden. Gerade für viele ältere Kundinnen und Kunden bleibt der persönliche Kontakt vor Ort ein wichtiger Bestandteil ihrer Bankgeschäfte.

Balanceakt zwischen Nähe und Distanz, zwischen Fortschritt und Tradition

Ob jünger oder älter, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Raiffeisenbank MEHR sind gern für ihre Kunden da. Und zwar nicht nur während der Geschäftszeiten: „Wir kennen die Kunden, die Kunden kennen uns. Das sorgt für eine sehr persönliche Beziehung und ist meiner Meinung nach für unsere Arbeit ein enormer Vorteil“, sagt Carmen. Vorstandsmitglied Thomas Welter bestätigt das: „Auch in der Freizeit wird man als Teil der Raiffeisenbank wahrgenommen. Und das finde ich persönlich unheimlich wichtig.“

Trotzdem müsse man Grenzen ziehen, wie Carmen mit einem Lachen im Gesicht, aber auch durchaus ernst gemeint festhält: „Privat bin ich Carmen. Wenn Freunde oder Familie etwas klären wollen, nehme ich das gerne auf. Geklärt wird es dann, wenn ich wieder in der Bank bin."

Firmenkunden-Leiterin Alexandra Lanser betont neben dem Balanceakt zwischen beruflicher Nähe und privater Distanz noch andere Aspekte, die im Gleichgewicht sein müssen: „Wir sind für unsere Kunden inzwischen auf sämtlichen Kanälen erreichbar. Aber genau das macht es schwieriger, auf jedem dieser Kanäle auch wirklich erreichbar zu sein.“ In gleichem Maße, wie die digitalen Services zunähmen, gestalte sich die persönliche Beratung aufgrund der zunehmenden Verlagerung ins Digitale immer schwerer. „Hier müssen wir gegensteuern, denn die Finanzwelt hat sich enorm verändert und dadurch den Beratungsbedarf in bestimmten Bereichen erhöht.“

 Namensgeber Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Bank der kurzen Wege als Motor für die Region

Daran seien laut Alexandra Lanser vor allem die zunehmenden Regulierungen im Bankenwesen schuld. Sie würden Finanzfragen zunehmend komplexer machen, insbesondere für Unternehmen vor Ort. Mit deren Herausforderungen, Bedarfen und Bedürfnissen kennt sie sich bestens aus. Die Themen sind wohl jedem Betrieb der Region bekannt – regulatorische Vorgaben, wirtschaftliche Unsicherheit, fehlendes Personal.

Insbesondere in Sachen Personal beobachtet Alexandra Lanser einen Trend: „Kleine und mittelständische Unternehmen stellen zunehmend die Frage, wie sie mit gezielten Investitionen gegen den Fachkräftemangel ankommen können.“ Gleichzeitig gäbe es weniger klassische Existenzgründungen und mehr Fragen zu Nachfolgeregelungen: „Gerade bei diesem Thema merken wir deutlich, dass es den meisten Betrieben an rechtzeitiger Beratung fehlt.“ Genau deshalb brauche es unbedingt eine Bank der kurzen Wege, die sich persönlich um Privat- und Geschäftskunden gleichermaßen kümmere.

Vorstandsmitglied Thomas Welter hat darüber hinaus noch einen weiteren Beratungsbedarf identifiziert: „Leider nehmen betrügerische Handlung wieder zu. Mit immer neuen Maschen gehen die Betrüger auf die Menschen los. Hier müssen wir mit Betrugsprävention unsere Kunden schützen und Betroffenen zur Seite stehen.“

Thomas Welter ist im Übrigen nicht nur ein führender Kopf als Mitglied des Vorstandes, sondern auch Herr über Sponsoringaktivitäten und die Spenden der Raiffeisenbank. Für ihn ist das eine echte Herzensangelegenheit: „Immer, wenn es um Kinder und Jugendliche geht, helfen wir besonders gern. Aber auch das ehrenamtliche und regionale Engagement ist unersetzlich. Dafür stellen wir gern Mittel bereit. Denn ohne Ehrenamt und engagierte Akteure, die vor Ort etwas bewegen, geht es im Ländlichen nicht.“ Und wir glauben: Ohne die Bank der kurzen Wege offensichtlich auch nicht!