Unternehmensreportage Wirtz 2025
Der Kurvenkreis ist durch den Tourismus geprägt. Das Gastgewerbe und insbesondere die Gastronomie stehen jedoch immer wieder vor unterschiedlichsten Herausforderungen. Für die Wirtz GmbH in Zell ist das jedoch kein Grund zur Panik. Denn der familiengeführte Großküchen-Ausstatter und Gastro-Dienstleister ist ein Musterbeispiel für die unternehmerische Kraft der Gelassenheit.
Eine Branche im Wandel
Es ist nicht unser erster Besuch bei Wirtz in Zell. Knapp drei Jahre sind seit dem letzten Gespräch vergangen, in dieser Zeit musste sich Geschäftsführer Peter Wirtz mit vielen Veränderungen beschäftigen: „Die Gastronomie boomt nicht gerade, auch nicht hier an der Mosel. Zwar kommen längst wieder so viele Touristen wie vor der Pandemie hierher, doch sie sind nicht mehr so zahlungsbereit wie früher. Die veränderte Nachfrage bekommen natürlich auch wir zu spüren.“
Wirtz liefert professionelle Küchengeräte und -maschinen im großen Format, sorgt für deren Wartung und die Belieferung mit Reinigungs- und Betriebsmitteln. Dabei betreuen sie aber nicht nur Restaurants und Hotels, sondern auch Krankenhäuser und Verpflegungseinrichtungen. Durch diese Mehrgleisigkeit ist Wirtz deutlich weniger von den Entwicklungen in der Gastrobranche abhängig. Allerdings ist auch in dieser nicht alles schlecht:
Wirtz erhält zwar quantitativ weniger Aufträge für die Planung neuer Großküchen, dafür hat das jeweilige Auftragsvolumen zugelegt. „Die Betriebe, die sich behaupten können, sind größer geworden, brauchen also auch eine umfangreichere Ausstattung.“
Zudem sei das Servicegeschäft durch Wartungsverträge praktisch explodiert. „Ich denke, dass sich Gastronomen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten besonders auf einwandfrei laufende Geräte verlassen können wollen. Sozusagen Betriebssicherheit von innen“, schätzt Peter die Lage ein.
Dieser Wandel ist am über 75 Jahre alten Familienbetrieb mit Wurzeln im Haushaltswarenbereich nicht spurlos vorüber gegangen. So manches Geschäftsfeld wird anders bearbeitet. Peter bedauert diese Entwicklung jedoch nicht: „Wir sind deutlich flexibler geworden und können zum Beispiel gelassener mit dem Thema Fachkräftemangel umgehen.“
Mit Vollgas in die Digitalisierung
Vor drei Jahren bereitete sich die Wirtz GmbH gerade darauf vor, die Verantwortung von Vater Jürgen auf Sohn Peter zu übertragen. Inzwischen hat Peter das Ruder schon fest in der Hand, der Seniorchef geht bald in seinen mehr als verdienten Ruhestand. Wie es sich für einen solchen Generationenwechsel gehört, sorgt eine neue Führungsebene auch immer für einen neuen Geist.
Unter Peter Wirtz besteht dieser Geist vor allem aus Einsen und Nullen. Geht es um künstliche Intelligenz oder digitale Services, kommt der sonst so stoische Führungskopf fast ins Schwärmen: „Ich bin total begeistert von KI und glaube fest daran, dass sie bei uns eine noch größere Rolle spielen wird. Allerdings ist die Technologie noch längst nicht so weit, dass wir sie überall sinnvoll einsetzen können.“
„Peter ist praktisch Stammgast bei unseren Veranstaltungen und Workshops, die mit dem Thema Digitalisierung und KI zusammenhängen“, bestätigt auch Alex vom Kurvenkreis-Team. Zusammen mit seinem Projektverantwortlichen Matthias Knapp und den derzeit 22 Mitarbeitenden hat Peter in den vergangenen drei Jahren „jeden Stein umgedreht, um zu sehen, was wir besser machen können.“
Digitale Tools wie eine komplett neue VoIP-Telefonanlage seien dabei ein wichtiger Baustein. Viel entscheidender sei jedoch das Face-to-Face-Geschäft. Die Rolle von Außendienstlern wurde deshalb genauso überdacht wie der Ansatz bei der Kundenakquise und -beratung.
Im Kundenservice sieht Peter derzeit das größte (digitale) Optimierungspotenzial: „Unsere Kunden arbeiten, wenn wir Feierabend haben. Diesen Widerspruch wollen wir langfristig durch digitale Assistenten auflösen. Ist Not am Mann oder brauchen Kunden dringend ein bestimmtes Verbrauchsmittel, sollen sie es Tag und Nacht bestellen können und umgehend geliefert bekommen.“ Auch Kundenpräsentationen oder Beratungsgespräche per Videocall sollen auf Kundenwunsch auf lange Sicht keine Ausnahme mehr sein.
Eines wird sich nach Peters Meinung jedoch nicht ändern: „Wenn du zehntausende Euro für eine professionelle Küchenausstattung ausgibst, dann willst du das nicht über Zoom planen oder im Internet bestellen. Solche Gespräche werden wir weiterhin persönlich führen.“ Auch bei Wartung und Service, für die Wirtz von seinen Kunden besonders geschätzt werde, könne es natürlich keinen digitalen Ersatz geben.
Gegessen wird immer
Fragen nach den Aussichten für die kommenden drei Jahre findet Peter Wirtz eher sinnlos: „Wir haben schon beim letzten Mal keine Prognosen abgegeben und werden es auch dieses Mal nicht tun. Es wird so kommen, wie es kommt.“ Gegessen werde immer, darum mache er sich keine Sorgen, dass man bei Wirtz bald nichts mehr zu tun habe.
Allerdings brauche die Tourismusregion Mosel dringend ein neues Image: „Allein mit Wein wird es nicht mehr lange funktionieren“, hält Peter fest. Zum einen seien jüngere Zielgruppen weniger an Alkohol interessiert, zum anderen verschwinde der Weinbau zunehmend von den Hängen. Touristische Betriebe seien oft stark auf die Winzerromantik ausgelegt, dabei gäbe es so viel mehr über die Mosel, die Eifel und den Hunsrück zu sagen – für Familien, für Sportbegeisterte, für zahlungskräftige neue Gäste.
Vom Meckern hält Peter Wirtz jedoch genauso wenig wie vom Glaskugellesen. Darum ist es ihm wichtig, zum Abschluss des Gesprächs eine Sache zu betonen: „Die Sache mit dem Glasfaserausbau hat letztendlich ziemlich gut geklappt. Das gesamte Gewerbegebiet ist inzwischen erschlossen. Hier bewegt sich also wirklich etwas, wenn man nur dranbleibt.“ Und Dranbleiben beherrscht die Wirtz GmbH im Schlaf.
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